gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Partnerschaftliche Beteiligung an Therapieentscheidungen

Das Arzt-Patienten-Verhältnis wandelt sich: die Patienten vertrauen nicht mehr blind, sondern erwarten vom Arzt eine kompetente, partnerschaftliche und umfangreiche Kommunikation. Informed Decision Making ist für die Ärzteschaft ein neues Konzept, das vom bisherigen Vorgehen der Ärzte abweicht. Es wird untersucht, welche Erwar­tungen die Patienten in diesem Bereich an ihren Hausarzt haben, ob diese Erwartungen mit der ärztlichen Praxis korrespondiert und zu welchen Ergebnissen dies führen kann.

Über die Hälfte der Befragten wünschen sich eine gemeinsame Entscheidung, ein Viertel bevorzugt den paternatlistischen Arzt alter Prägung. Mit zunehmendem Alter nimmt das Vertrauen in die Entscheidungen des Arztes zu. 80 Prozent der Ärzte befürworten die Selbstbe­stimmung des Patienten, 46 Prozent befürchten, dass die Beteiligung an Entscheidungen eine zusätzliche Belastung sein könne. Hausärzte und ältere Ärzte sehen im Shared Decision Making vorwiegend eine Belastung für den Patienten. Ärzte wünschen sich ein vorbehaltloses Vertrauens­verhältnis mit ihren Patienten. Anhand einer 10-Item-Skala konnte das Kommunikationsverhalten des Arztes beim letzten Arztbesuch bewertet werden: zwar erklären die Ärzte mehrheitlich alles verständlich, aber nur jeder fünfte Patient wurde aufgefordert, Fragen zu stellen. Kommunika­tionsinhalte, die Bestandteil einer partnerschaftlichen Beteiligung sind, finden nur in 30 bis 40 Prozent der Gespräche statt. Der Dissens mit dem Arzt ist relativ häufig: 11 Prozent der Befrag­ten sprechen es jedoch nicht aus, wenn sie mit ihrem Arzt nicht einverstanden sind. Jeder dritte Befragte hat schon einmal den Hausarzt gewechselt, weil er mit der Behandlung nicht einverstanden war. Bei denjenigen, die schon einmal ausdrücklich einen Behandlungsvorschlag abgelehnt haben, ist es sogar jeder zweite.

Die Beteiligung der Patienten ist das erklärte Interesse von Patienten und Ärzten. Damit eine konstruktive Teilnahme der Patienten am Behandlungsgeschehen möglich ist, ist eine Verbesserung des Kommunikationsverhaltens vonseiten der Ärzte notwendig. Der Dissens mit dem Arzt ist verbreitet und das so genannte doctor hopping sicherlich eine häufige Konsequenz, die zu Ineffizienzen im System führt. Stillschweigender Dissens dahingegen ist ein noch schwereres Problem, das noch ernstere Konsequenzen haben kann. Kommunikationsstil, Engagement und Empathie des Arztes können aber nicht verordnet werden.