gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Non-Compliance bei der Arzneimitteltherapie: Umfang, Hintergründe, Veränderungswege

Patienten, die den Therapieanweisungen ihres Arztes nicht folgen, gefährden ihre Gesundheit und verursachen jährlich unnötig hohe Arzneimittelausgaben und Therapiekosten. Der Beitrag untersucht die Ursachen für Non-Compliance in der Bevölkerung. Welche Maßnahmen könnten der mangelnden Therapietreue entgegenwirken?

Ein Rezept wird nicht in der Apotheke eingelöst, Medikamente früher abgesetzt als verordnet oder überhaupt nicht eingenommen. Non-Compliance nennen Experten die mangelnde Therapietreue, bei der sich der Patient nicht an die Vorschriften zur Einnahme von Arzneimitteln oder ärztliche Verhaltensanweisungen hält. Dabei ist wissenschaftlich erwiesen, dass Therapietreue einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der Behandlung und die Genesung des Patienten hat. Hält sich ein Patient jedoch nicht an die verordnete Medikamenteneinnahme zieht dies nicht nur eine schlechtere Prognose des Krankheitsverlaufes nach sich. Non-Compliance kann darüber hinaus mit erhöhten Komplikationen, Klinik-Notaufnahmen und sogar Sterbefällen einhergehen. Und nicht nur das. Neben dem Gesundheitsrisiko für den Patienten verursacht mangelnde Therapietreue dem Gesundheitssystem unnötige Kosten.

Um der Frage nach den Ursachen für mangelnde Therapietreue nachzugehe, wurden 1778 Versicherte zu ihren Einstellungen gegenüber Arzneimitteln und deren Einnahme gefragt. Der Beitrag "Non-Compliance bei der Arzneimitteltherapie: Umfang, Hintergründe, Veränderungswege" ermittelt Erkenntnisse zu persönlichen, sozialen und strukturellen Faktoren, die Patienten dazu verleiten den Rat ihres Arztes nicht zu befolgen.  

Die Auswertung der Befragungsdaten bietet einen Einblick in die vielschichtigen Thematik mangelnder Therapietreue. Im Wesentlichen gibt es drei Formen von Non-Compliance: Die Gruppe derjenigen, die als radikale "Verweigerer" ein Medikament überhaupt nicht einnehmen, ist mit einem Sechstel der Befragten die kleinste. Etwa gleich groß ist die Gruppe der "Vergesslichen", die im Alltag oder wegen einer Reise die Arzneimitteleinnahme vergessen und damit abbrechen. Jeder Fünfte hingegen zählt zu den "Kalkulierern". Ein Medikament wird vorrübergehend oder zu früh abgesetzt, da unangenehme Nebenwirkungen auftreten oder der Patient sich wieder fit fühlt. Insgesamt hatten 52 Prozent der Befragten nach eigener Aussage in den letzten zwölf Monaten kein einziges Mal die Einnahme eines rezeptpflichtigen Medikaments vergessen oder bewusst ausgelassen. Bei 29 Prozent war eine leichte Non-Compliance feststellbar und 20 Prozent zeigten eine relativ hohe Non-Compliance. Patienten die ein Medikament nicht wie verordnet einnahmen, konnte anhand der Umfragewerte ein hohes Maß an Vorbehalten gegenüber Arzneimitteln nachgewiesen werden. Über die Hälfte der Befragten stimmte gar der Aussage zu, Medikamente seien Gift für den Menschen. Vorurteile gegenüber Medikamenten entstehen dabei nicht unbegründet. Meist sind sie auf eine besonders negative Erfahrung mit den Nebenwirkungen eines Medikaments zurückzuführen. Anstatt eines schnell ausgefüllten Rezepts wünschen sich diese Patienten daher mehr Zeit für das Behandlungsgespräch und eine stärkere Aufklärung über Nebenwirkungen. Während man bei »Kalkulierern « und »Verweigerern« durchaus darauf setzen könnte, die Information über medikamentöse Therapien und das Wissen über Effekte mangelnder Compliance zu verbessern, scheint dies bei Vergesslichen wenig Erfolg versprechend. Erinnerungs- und Einnahmehilfen wären hier eher angebracht. Wichtig ist aber in jedem Fall, dem Patienten die grundlegenden Verhaltensregeln im Falle von Nebenwirkungen mitzugeben.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1 - Patientenmeinung zu Medikamenten

    Einstellungen und Verhaltensorientierungen gegenüber Medikamenten

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 2 - Bewertung ärztlicher Information

    Bewertung der ärztlichen Informationen über das in den letzten zwölf Monaten zuletzt verordnete rezeptpflichtige Medikament

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 3 - Non-Compliance - Hintergründe und Häufigkeiten

    Non-Compliance – Hintergründe und Häufigkeiten

    * Die Skalierung dieses Items unterscheidet sich minimal von den übrigen. Antwortvorgaben sind hier:
    nie, einmal, zweimal, dreimal oder öfter
    n = 1.158 bis 1.217
    Angaben in Prozent der Befragten