gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Kassenwettbewerb: Motive für einen Kassenverbleib

Das GSG führte das Recht auf freie Kassenwahl ab 1996 ein. Dennoch verbleibt ein Teil der Versicherten in der alten Krankenkasse, so dass sich die Wir­kungen, die der Kassenwettbewerb mit sich bringen sollte, nicht entfalten. Der Artikel untersucht die Gruppe der Nicht-Wechsler hinsichtlich ihrer speziellen sozioökonomischen Merkmale und welche Motive diese Gruppe bei der Entscheidung für einen Verbleib in der Krankenkasse beeinflussen.

Nicht-Wechsler sind im Durchschnitt älter, unter ihnen findet sich ein höherer Anteil Rentner, chronisch Kranker und Versicherter mit einem Hauptschulabschluss. Niedriger sind die Anteile der Abiturienten, Verheirateten und Haushalte mit Kindern. Die Nicht-Wechsler sind schlechter über allgemeine Rahmenbedingungen des Kassenwettbewerbs informiert. Über 60 Prozent der Nicht-Wechsler wissen nicht, dass ihre Beiträge nicht "verloren" gehen, wenn sie die Krankenkasse wechseln. Zur Erklärung hat sich ein Blick auf die administrativen, informativen und psychologischen Wechselkosten als geeignet erwiesen. Sie sprechen vielfach gegen einen Wechsel. 46 Prozent der Befragten sind sogar prinzipiell nicht an einem Krankenkassenwechsel interessiert. Auch wurde eine Reihe von Ängsten genannt. Grund für die geringe Wechsel­neigung ist nicht nur Zufriedenheit mit dem Beitrags-Leistungs-Verhältnis der eigenen Kasse, sondern auch Angst, Unsicherheit und Gewöhnung. 

Der Kassenwettbewerb setzt voraus, dass Versicherte grundsätzlich bereit sind, ihr Wahlrecht zu nutzen und dabei Kosten und Nutzen der Versicherungsangebote gegeneinander abzuwägen. Diese Bedingung ist momentan nicht erfüllt. Den teilweise diffusen Ängsten der Nicht-Wechsler kann durch zielgruppenspeifische Information begegnet werden. Denkbar ist auch, dass das bestehende Versicherungsangebot zu wenig differenziert ist, um individuelle Präferenzen zu bedienen. Weitere Untersuchungen der Bedürfnisse der Nicht-Wechsler müssen klären, unter welchen Bedingungen Nicht-Wechsler einen Kassenwechsel als attraktiv ansehen würden.