gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Hausärztliche Versorgung im Wandel?

Über 90 Prozent der Deutschen haben mindestens seit 2001 einen Hausarzt; die meisten davon bleiben fünf Jahre oder länger beim selben Mediziner.

Hausärzte: Ansprechpartner Nr. 1 für Patienten

Um die ambulante fach- und notärztliche Versorgung in Deutschland zu entlasten, hat der Gesetzgeber versucht, zum Beispiel mit der Praxisgebühr (2004 bis 2012), den Hausarzt als zentralen medizinischen Ansprechpartner zu stärken. Eine Studie des Gesundheitsmonitors hat daher untersucht, ob und wie sich die Rolle des Hausarztes in Deutschland von 2001 bis 2015 geändert hat. Es zeigt sich: In der Phase der Praxisgebühr sind zwar 40 Prozent der Patienten zum Hausarzt gegangen, um eine Überweisung zum Facharzt zu bekommen; das sind circa doppelt so viele wie vor oder nach der Praxisgebühr. Unabhängig von solchen Reformen ist der Hausarzt aber über den gesamten Untersuchungszeitraum sehr wichtig für die Patienten: Zum Beispiel hatten durchweg über 90 Prozent der Patienten von 2001 bis 2015 einen Hausarzt, von denen 75 Prozent bereits mindestens fünf Jahre lang demselben Hausarzt vertraut haben.

Patienten sind zufrieden mit der Kommunikation zwischen ihren Ärzten
Wie mit ihrem Hausarzt selbst sind die meisten Patienten vor, während und nach der Praxisgebühr-Phase durchweg ähnlich zufrieden mit der Kommunikation zwischen Haus- und Facharzt beim Überweisungsvorgang gewesen. Auch soziodemografisch hat sich der ‚typische Hausarztpatient‘ von 2001 bis 2015 nicht sonderlich geändert. Einzig ein Anstieg chronisch kranker Patienten ist zu beobachten, allerdings ohne klaren Zusammenhang zur Praxisgebühr. 2014/15 werden Überweisungen zum Facharzt, die der Hausarzt nach Abschaffung der Praxisgebühr streng genommen nicht ausstellen muss, eher von chronisch Kranken, Älteren und von Menschen aus niedrigen Sozialschichten genutzt.

Studienautorin kritisiert Einfallslosigkeit im Kampf gegen Hausärztemangel
Der Hausarzt in Deutschland ist die erste medizinische Anlaufstelle für die meisten Patienten – das gilt laut der Studienautorin für 2001 genauso wie für 2015. Während der Praxisgebühr-Phase hat sich der Kontakt zwischen Patient und Hausarzt als Nadelöhr für eine Überweisung zum Facharzt zwar verstärkt. Allerdings geben die Ergebnisse dieser Untersuchung wenige Hinweise darauf, ob diese Entwicklung auch der Praxisgebühr zuzuschreiben ist. Die Autorin hält die ambulanten fachärztlichen Strukturen in Deutschland für zu verwurzelt, als dass man die Rolle der hausärztlichen Versorgung in Deutschland einfach dadurch stärken könnte, indem man den Zugang zum Facharzt strenger regelt. Solche Projekte sind für die Studienverfasserin auch nicht zielführend, um das Berufsbild des Hausarztes nachhaltig aufzuwerten und dem drohenden Hausärztemangel entgegenzuwirken.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1

    Zugang zur Versorgung

    Angaben in Prozent der Befragten; n = 33.936