gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Häufigkeit und Auswirkungen von Leistungsrationierungen im Gesundheitswesen

Die Definition von Rationierung ist bereits schwierig, aber noch schwieriger ist es, methodisch sauber das Ausmaß von Leistungsverweigerungen in Deutschland zu erheben. Es wird untersucht, welche Erfahrungen Patienten damit haben, dass ihnen Leistun­gen beim Arztbesuch vorenthalten wurden. Dabei wird versucht, die Begründungen der Ärzte zu differenzieren und zum anderen welche Auswirkungen diese Erfahrung auf die Betroffenen haben.

16 Prozent der befragten GKV-Versicherten berichten davon, dass ihnen beim letzten Arztbesuch aus Kostengründen bestimmte ärztliche Leistungen vorenthalten worden sind. 17 Prozent der Befragten aus der Unterschicht und 11 Prozent der Befragten aus der Ober­schicht berichten von dieser Erfahrung. Am stärksten betroffen sind Personen mit anerkannten Behinderungen oder länger andauernden Erkrankungen. Mehr als einem Fünftel der Diabetiker, der psychisch Kranken, der Patienten mit Herzschwäche oder chronischer Bronchitis wurden - aus ihrer Sicht - Leistungen aus Kostengründen verweigert. 7 Prozent der GKV-Mitglieder wurde ein ihnen persönlich wichtiges Rezept nicht ausgestellt. 12 Prozent der Be­troffenen erfuhren keine Begründung für die Vorenthaltung. In zwei Drittel der Fälle wurden wirt­schaftliche Gründe genannt. Das Vertrauen der Bevölkerung in die zukünftige Leistungsfähigkeit ist angegriffen - insbesondere das der GKV-Versicherten. Haben die Befragten Erfahrungen mit der Verweigerung von Leistungen gemacht, verschlechtern sich die Erwartungen an die Zukunft der Leistungsfähigkeit der GKV massiv. Dies gilt durchgehend für alle sozialen Schichten.

Für die Debatte über Rationierung in Deutschland sind mehrere Punkte wichtig: nicht jede Leistungsverweigerung ist eine Rationierung, solange es eine nicht unerheb­liche Über- und Fehlversorgung gibt. Das Ausgabenniveau ist in Deutschland vergleichsweise hoch; über eine Allokation der Mittel muss aber nachgedacht werden. Angesichts der Verletzlich­keit des Vertrauens in das Gesundheitswesen müssen Leistungsverweigerungen durch Ärzte klar begründet werden. Der Hinweis auf Budgetgrenzen ist da nicht hinreichend. Der Patient schließlich kann die medizinische Notwendigkeit und den Nutzen einer Leistung nicht beurteilen. Die Abwägungen des behandelnden Arztes müssen verständlich kommuniziert werden.


Downloads zur Studie

Newsletter 03 2002

Rationierungserfahrungen und Erwartungen an die zukünftigen Leistungen des solidarisch finanzierten Gesundheitswesens

Newsletter 03 2002
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