gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gesundheitskompetenz: eine unterbelichtete Dimension sozialer Ungleichheit

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Doch wie ausgeprägt ist diese Fähigkeit in der Bevölkerung? Die Studie untersucht das medizinische und gesundheitliche Basiswissen der Bevölkerung und analysiert in welchen Bevölkerungsgruppen besonders markante Wissensdefizite anzutreffen sind und welchen Einfluss die Medien haben.

In modernen Gesundheitsgesellschaften wird erwartet, dass Bürger fähig sind Entscheidungen für ihre und die Gesundheit anderer zu fällen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Fähigkeiten, die man für ein kompetentes Handel im Gesundheitssystem oder auf dem Gesundheitsmarkt benötigt, schon vorhanden sind oder durch Massenmedien, das Internet und die Beratung der Professionellen im Gesundheitswesen leicht zugänglich sind. Inwiefern dies in der Wirklichkeit zutrifft, ist fraglich.

Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag "Gesundheitskompetenz: eine unterbelichtete Dimension sozialer Ungleichheit" die Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen und zeigt auf, inwieweit unzureichendes Gesundheitswissen mit einem schlechten Gesundheitszustand und chronischen Krankheiten einhergeht. Außerdem wird die Rolle des persönlichen Informationsverhaltens, die Auswirkung der Nutzung unterschiedlicher Informationsmedien und der Einfluss der Massenmedien auf die Gesundheitskompetenz hinterfragt. Als Datenbasis dient eine Befragung des Gesundheitsmonitors.

Die Studienergebnisse offenbaren, dass weiterhin viele populäre Irrtümer der Medizin und Gesundheit vorherrschen. So halten mehr als die Hälfte der Befragten, Cholesterin für einen krankmachenden Faktor oder glauben, dass bei Früherkennungsuntersuchungen keine medizinischen Risiken bestehen. Ein direkter Einfluss des Gesundheitswissens auf die Morbidität konnte im Rahmen der Untersuchung nicht festgestellt werden. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass ein fundiertes Wissen bei chronisch Erkrankten eine Pufferfunktion einnehmen und negative emotionale Begleiterscheinungen der Krankheit abfedern kann. Im Hinblick auf die Medien zeigen die Daten überraschenderweise, dass populäre Massenmedien eher zu einer Verfestigung von Irrtümern und Fehleinschätzungen als zu einem fundierten Gesundheitswissen führen. Trotz oder möglicherweise aufgrund der Vielfalt und Unübersichtlichkeit des Informationsangebotes zeigt sich zudem, dass eine große Zahl von Informationswünschen der Befragten offen bleibt. Eine klare Mehrheit sieht eine Notwendigkeit darin, das Gesundheitswissen stärker im Bildungssystem zu verankern und stimmt einer Ausweitung des schulischen Bildungs- oder zumindest Informationsauftrags zum Thema Gesundheit zu. Die positive Einstellung gegenüber Lernprozessen spiegelt die mehrheitliche persönliche Bereitschaft zu eben diesen wieder, wobei hier auch Barrieren erkennbar werden.

Die Autoren warnen davor die Dimension der Gesundheitskompetenz weiterhin zu unterschätzten und betonen, dass Eigenverantwortung auch gewisse gesellschaftliche Vorleistungen erfordere. Ein bedeutsames gesundheitspolitisches Signal sei die signifikante Zunahme chronischer Erkrankungen, bei denen die Gesundheitskompetenz als Pufferfunktion diene. Um die Gesundheitskompetenz in Zukunft zu verbessern müssten Patientengruppen stärker gefördert werden. Notwendig sei insbesondere die Verbesserung des Service für chronisch Kranke vonseiten der Krankenversicherung sowie der Arzt-Patienten-Kommunikation. Auch neue Modelle wie Patientenuniversitäten seien zukunftsweisend.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1: Häufigste Wissensdefizite bei einzelnen Statements

    Häufigste Wissensdefizite bei einzelnen Statements

    Mehrfachnennungen möglich; tz = Statement ist inhaltlich zutreffend, tnz = nicht zutreffend; n = 1.503 bis 1.520
  • Abb. 3: Informationsbemühungen in populären Medien und Gesundheitswissen

    Informationsbemühungen in populären Medien und Gesundheitswissen

    Intensität der Information in populären Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Radio, TV)
    Alle Angaben in Prozent
  • Abb. 4: Vorrangige Informationsinteressen von Verbrauchern und Patienten

    Vorrangige Informationsinteressen von Verbrauchern und Patienten

    Mehrfachnennungen möglich
    Alle Angaben in Prozent