gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gesundheitsbezogene Verhaltensweisen und Präventionskonzepte im Wandel?

Viele Präventionskonzepte zielen auf eine Änderung der gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen der Bürger, um Krankheiten durch Prävention zu verhindern. Strittig ist, ob diese verhaltensbezogenen Präventionsmaßnahmen nicht zu kurz greifen. Wie können Präventionskonzepte gestaltet werden, um betroffene Bevölkerungsgruppen effektiv anzusprechen?

Ganze 80 Prozent der deutschen Bevölkerung schätzen ihren Gesundheitszustand als "gut" oder sogar besser ein. Zugleich gilt Deutschland als europäischer Spitzenreiter in Sachen Übergewicht und Adipositas. Öffentliche Diskussionen über die Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Deutschen scheinen in der subjektiven Einschätzung der Bürger offenbar kaum Resonanz zu finden. Ob angesichts dieses mangelnden Problembewusstseins für den eigenen Gesundheitszustand rein verhaltenspräventive Ansätze als Motivation für eine Verhaltensänderung sinnvoll sind, ist fraglich.

Der Beitrag "Gesundheitsbezogene Verhaltensweisen und Präventionskonzepte im Wandel?" analysiert anhand einer Bevölkerungsumfrage, wie eine zielgruppengerechte, effektive Präventionsprogramme aussehen könnte.

Die Analyse der Befragungsergebnisse zeigt: Aktuelle deutsche Präventionskampagnen erreichen überwiegend Gruppen, die nicht die höchsten Risikoprofile aufweisen. Außerdem setzen die vorhandenen Maßnahmen zu stark auf die Informationsvermittlung durch Broschüren und Gesundheitskurse und schließen damit bildungsfernere Gruppen aus. Noch dazu ist die Vermittlung von Gesundheitswissen allein keineswegs ausreichend. Viele Präventionskampagnen lassen die Betroffenen mit der eigentlichen Aufgabe allein: dem Umsetzen von Gesundheitswissen in gesundheitsförderndes Verhalten. Während verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen auf die Veränderung des Verhaltens des Einzelnen abzielen, ist die verhältnisbezogene Prävention auf die Veränderungen von sozialen Systemen ausgerichtet. Dies geschieht etwa im Rahmen kontextbezogener Programme und struktureller Maßnahmen in Kindertagesstätten, die ein gesundes Ernährungsverhalten in der Gemeinschaft effektiv erfahrbar machen.

Eine klare Ausrichtung von Präventionsprogrammen bedeutet konkret, einzelne Bevölkerungsgruppen und ihre Bedürfnisse in ihrem jeweiligen Umfeld auszumachen und anzusprechen. Präventionsprogramme, die als Einstiegsmotivation für eine Verhaltensänderung nur auf der individuellen Ebene ansetzen, greifen hier zu kurz. Am Beispiel der erfolgreichen Senkung der Raucherquoten lässt sich ablesen, dass eine Kombination von verhaltensbezogenen (Rauchen ist ungesund) und verhältnisbezogenen Maßnahmen (Marginalisierung des Rauchens in der Öffentlichkeit) zum Erfolg führt.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2: Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung im Zeitverlauf

    Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung im Zeitverlauf

    N=15173
  • Abb. 3: Body-Mass-Index der Bevölkerung im Zeitverlauf

    Body-Mass-Index der Bevölkerung im Zeitverlauf

    N=14997
    Anmerkung: Die Daten wurden nachträglich entsprechend dem Vorgehen von Helmert und Strube (2004) korrigiert, um die bei Befragungen auftretenden Überschätzungen der wahren Körpergröße und Unterschätzungen des wahren Körpergewichtes auszugleichen.
  • Abb. 4: Entwicklung des Rauchens in der Bevölkerung im Zeitverlauf

    Entwicklung des Rauchens in der Bevölkerung im Zeitverlauf

    N=15117
  • Abb. 6: Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen von Behinderten und Nichtbehinderten (Herbst 2006)

    Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen von Behinderten und Nichtbehinderten (Herbst 2006)

    N=1556