gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Führt die betriebliche Fehlzeitenregelung zu unnötigen Arztbesuchen?

Nicht selten benötigen Arbeitnehmer bereits am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt. Auch bei leichten Erkrankungen, bei denen eine ärztliche Konsultation gar nicht nötig wäre. Der Beitrag untersucht, wie sich strenge betriebliche Fehlzeitenregelungen auf die Anzahl der Hausarztbesuche auswirken.

Spätestens ab dem vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit (AU) ist ein Arbeitnehmer laut Gesetz verpflichtet eine Krankschreibung beim Arbeitgeber einzureichen. Der Arzt bestätigt die Krankheit seines Patienten und übernimmt neben seinen medizinischen Aufgaben auch eine soziale Kontrollfunktion. Dies hat nicht nur hohen bürokratischen Aufwand zur Folge, sondern führt auch zu Arztbesuchen, die medizinisch nicht sinnvoll sind.

Der Beitrag "Führt die betriebliche Fehlzeitenregelung zu unnötigen Arztbesuchen?" diskutiert, ob die Konsultationsrate von Hausärzten bei strengen betrieblichen Fehlzeitenregelungen steigt. Wie häufig suchen Beschäftigte in Deutschland ihren Arzt ausschließlich zur Ausstellung einer AU-Bescheinigung auf?

Insgesamt 19 Prozent der Angestellten hatten in den vergangenen zwölf Monaten einen Arzt ausschließlich zur Ausstellung einer Krankschreibung aufgesucht. Dies kommt besonders häufig bei jenen Vollzeitbeschäftigten vor, die bereits ab dem ersten Tag das ärztliche Attest benötigen. Bei Teilzeitbeschäftigten hingegen lässt sich dieses Muster nur bei den unter 36-jährigen feststellen. Auch das Arbeitsklima spielt eine Rolle: Ist das Betriebsklima gut und basiert auf Vertrauen und „Wir-Gefühl“ der Mitarbeiter, gehen die Beschäftigten weniger häufig nur für den AU-Schein zum Arzt.

Die Auswertung der Befragungsergebnisse bestätigt, dass strengere Fehlzeitenregelungen am Arbeitsplatz die Inanspruchnahme des Hausarztes zum alleinigen Zweck der AU-Bescheinigung fördern. Zur Diskussion steht daher, ob eine veränderte gesetzliche Fehlzeitenregelung möglicherweise zu einer Abnahme von Fehlnutzungen im Versorgungssystem beitragen könnte. Trotz dieser Ergebnisse sollte nicht außer Acht bleiben, dass die aktuelle Fehlzeitenregelung auch dem Schutz der Beschäftigten dienen kann. Einer übereilten Wiederaufnahme der Arbeit trotz weiterbestehender Symptome wird durch die relativ strengen AU-Regelungen auch zum Wohl der Erkrankten entgegengewirkt.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1. - Betriebliche Fehlzeitenregelungen

    Regelungen zur AU-Bescheinigung

    n = 987 (von 22 Personen liegen keine Angaben zu ihrer AU-Regelung vor)
    Angaben in Prozent der Befragten