gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Erwartungen an die mittelfristige Zukunft der Gesundheitsversorgung

 Im internationalen Vergleich des Vertrauens der Bevölkerung in Akteure, Institutionen und Eigenschaften des Gesundheitswesens blieb offen, ob es sich bei dem Befund um situationsabhängige Bewertungen oder um eine grundsätzlich eher pessi­mistische soziokulturelle Mentalität der Deutschen handelt. Der Artikel untersucht im Zeitvergleich über drei Jahre, wie sich Bewertungen des Gesundheitswesens und Erwartungen an seine zukünftige Entwicklung verändern.

Der Anteil der Versicherten, die zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Gesund­heitswesen sind, steigt von 34 auf 48 Prozent im Herbst 2003 - zu Zeiten der Diskussion des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes. Zum gleichen Zeitpunkt ist der Anteil derjenigen, die nur kleine Verbesserungen für nötig halten, am größten. Die solidarische Absicherung des Krank­heitsrisikos hat innerhalb der drei Jahre ihre relative Mehrheit verloren. Gewünscht wird immer mehr eine steuerfinanzierte Grundsicherung, die mit Zusatzversicherungen erweitert werden kann. Bei der Versorgung im Alter, der Gewährung wichtiger Leistungen seitens der Kassen und Wartezeiten werden die Befürchtungen größer. Nur die Gefährdung des Datenschutzes wird nicht mehrheitlich als Problem angesehen. Erst im Frühjahr 2003 steigt der Anteil der Versicherten, die eine Erosion der Vertraulichkeit der ärztlichen Behandlung befürchten, um 12 Prozentpunkte an. Die Furcht vor der Erhöhung der Kassenbeiträge nimmt etwas ab. Die Furcht vor Qualitäts­verschlechterung und Kürzung des Leistungsumfangs nimmt dagegen zu. Ärztliche Kommuni­kation über Behandlungskosten und Kritik an der Gesundheitspolitik führt fast in demselben Maß zu Befürchtungen wie tatsächliche Leistungsverweigerungen durch Ärzte oder Krankenkassen.

Mehr als die Hälfte der Versicherten neigt - auch unabhängig von schlechten Erfahrungen - zu einer pessimistischen Grundhaltung. Innerhalb der drei Jahre können substantielle Verschlechterungen der Stimmungslage beobachtet werden. Ein Teil dieser Veränderungen beruht auf schlechten Erfahrungen mit Ärzten und Krankenkassen und der finanziellen Belastungen durch die Gesundheitsreformen. Die unzulängliche Transparenz gesundheitspolitischer Entscheidungen trägt zusammen mit den Verhalten der Ärzte und Krankenkassen dazu bei, dass es große Informations- und Vermittlungsdefizite gibt, die zu immer größer werdenden Befürchtungen beitragen. Damit wird die Bereitschaft zu einer solidarischen Absicherung von Krankheitsrisiken erodiert.