gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Disease-Management-Programme in der gesetzlichen Krankenversicherung: Unterschiede zwischen teilnehmenden und nicht teilnehmenden Diabetikern

2002 wurden strukturierte Behandlungsprogramme in die Versorgung gesetzlich Versicherter mit den Zielen eingeführt, die Qualität der Behandlung zu verbessern und Kosten zu sparen. Um die Wirkung solcher Programme zu evaluieren, muss untersucht werden, wie sich eingeschriebene chronisch Kranke von nicht eingeschriebenen chronisch Kranken unterscheiden. Der Artikel untersucht, inwieweit eingeschriebene Diabetiker sich hinsichtlich des Verbesserungspotentials von nicht eingeschriebenen Diabetikern unterscheiden.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen: 31 Prozent der befragten Diabetiker sind im Herbst 2004 in DMPs eingeschrieben, wobei jüngere Diabetiker häufiger einschrieben sind als ältere. Zwei Drittel der Befragten haben bereits von den Behandlungsprogrammen gehört. 54 Prozent der eingeschrieben Diabetiker bezeichnen ihren Gesundheitszustand als gut oder besser, bei den nicht eingeschriebenen sind dies nur 43 Prozent. Die Eingeschriebenen leiden in geringerem Maß an chronischen Begleit­erkrankungen; nur der Bluthochdruck tritt bei den eingeschriebenen Diabetikern häufiger auf. Eingeschriebene Diabetiker rauchen häufiger und haben häufiger Übergewicht. Bei den nicht Eingeschriebenen gibt es mehr Patienten, die keinen Sport treiben. Ein Drittel der eingeschrie­benen Diabetiker hat in den vergangenen 12 Monaten versucht, das Gesundheitsverhalten zu verändern; bei den nicht eingeschriebenen waren es nur 26 Prozent.

Die Analysen deuten auf ungünstige Selektionsprozesse bei Disease-Management-Programmen hin. Diabetiker, die DMPs eingeschrieben sind, sind jünger und gesünder als Diabetiker, die nicht eingeschrieben sind. Hinsichtlich des Verbesserungspotentials müssten aber gerade die nicht eingeschriebenen in strukturierten Behandlungsprogrammen betreut werden. Dies ist auf für eine sachgerechte Evaluation der Programme von Bedeutung. Wünschenswert wäre eine Ausrichtung der Programme am Risiko- und Schädigungsbild der Patienten und eine intensivere Betreuung der Hochrisiko-Patienten.