gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Die gesundheitliche Lage von alleinerziehenden Müttern

Alleinerziehende Frauen gehören zu einer Gruppe, deren gesundheitliche Lage durch ihre sozioökonomischen Bedingungen oder ihr Gesundheitsverhalten beeinträchtigt ist. Diese Studie vergleicht die Lebenslagen von alleinerziehenden Müttern und nicht allein erziehenden Müttern und untersucht die Unterschiede in der Gesundheit und im gesundheitlichen Verhalten zwischen diesen beiden Gruppen.

In den letzten 50 Jahren hat sich im Zuge von Modernisierungsprozessen in der Gesellschaft eine sukzessive Pluralisierung privater Lebensformen ergeben. Die zunehmende Entkopplung von Ehen und Elternschaft hat zu einer Zunahme von alleinerziehenden Elternteilen geführt. Bisherige Studien zeigen übereinstimmend, dass die ökonomische Situation Alleinerziehender im Vergleich zu Haushalten mit Ehepaaren deutlich schlechter ist. Hinzu kommen weitere Belastungen, wie die alleinige Zuständigkeit für die Kinderbetreuung, Haushaltsführung und die Sorge um den Lebensunterhalt. Zudem ist bekannt, dass alleinerziehende Mütter schwächere soziale Netzwerke pflegen, die das psychische Wohlbefinden positiv beeinflussen. Inwiefern die Lebenssituation Einfluss auf die Gesundheit der betroffenen Frauen nimmt, zeigt die Studie "Die gesundheitliche Lage von allein erziehenden Müttern".

Auf Datenbasis einer Befragung des Gesundheitsmonitors, die im Zeitraum 2002 bis Herbst 2007 erhoben wurde, wird folgenden Fragestellungen nachgegangen: Wie sieht die Lebenslage der alleinerziehenden Mütter im Vergleich zu nicht alleinerziehenden Müttern aus? Welche gesundheitlichen Differenzen existieren und welche Differenzen bestehen hinsichtlich des gesundheitlichen Verhaltens?

Bei der Beschreibung der Lebenslagen stellt sich heraus, dass ein Großteil der befragten alleinerziehenden Mütter entweder geschieden oder verwitwet ist. Bei vielen ist die finanzielle Lage deutlich schlechter als bei den nicht alleinerziehenden Frauen. Mehr als die Hälfte verdient ihren Lebensunterhalt überwiegend durch eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung hervor. Deutlich mehr als bei den nicht alleinerziehenden Müttern. Gleichzeitig steht diesen häufiger ein deutlich höherer Nettoverdienst im Monat zur Verfügung. Diese Beobachtung bestätigt die These der vorangegangenen Studien hinsichtlich der prekären finanziellen Situation Alleinerziehender. Ansonsten stellt die Zusammensetzung der Gruppe der alleinerziehenden Mütter ein relativ heterogenes Bild dar. Beim Vergleich der alleinerziehenden und nicht alleinerziehenden Mütter zeigt sich, dass allein erziehende Mütter ihre Gesundheit deutlich schlechter einschätzen als nicht alleinerziehende Mütter. Bezüglich des Gesundheitsverhaltens wird sichtbar, dass alleinerziehenden Mütter einen deutlich höheren Tabakkonsum aufweisen und weniger Sport treiben als nicht alleinerziehende Mütter. Auch innerhalb der Gruppe der allein erziehenden Mütter zeigen sich Unterschiede. Diese lassen sich zum einen auf das Bildungsniveau und das Alter zurückführen: Frauen mit allgemeinen Bildungsabschluss verhalten sich gesünder und schätzen ihre Gesundheit deutlich besser ein. Gleiches gilt für Frauen im zunehmenden Alter. Zum anderen scheint auch der Beziehungsstatus der alleinerziehenden Mütter eine Rolle zu spielen. Die Ergebnisse zeigen, dass diejenigen mit Partner sich gesünder verhalten als diejenigen ohne, interessanterweise aber gleichzeitig ihren Gesundheitszustand schlechter bewerten. Bei Letztere ist anzunehmen, dass dies auf einen Zwiespalt zwischen Kind und Partner zurückzuführen ist, der insbesondere zu Beginn einer Beziehung ereignen kann.

Die Studie gibt Hinweise darauf, dass in erster Linie die Lebenssituation die gesundheitliche Situation alleinerziehender Mütter negativ beeinflusst. Um diese zu verbessern, raten die Autoren der Studie insbesondere zu Maßnahmen, die zunächst an den Lebensumständen der betroffenen Mütter ansetzen. Sie betonen die Notwendigkeit des Ausbaus von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und der Verbesserung psychosozialen Hilfsangeboten. Um auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, müssten außerdem Weiterbildungsmöglichkeiten für allein erziehende Mütter ausgebaut und insgesamt familienfreundlichere Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt geschaffen werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Tabelle 1: Beschreibung der Lebenslage von alleinerziehenden und nicht alleinerziehenden Frauen

    image Tabelle 1: Beschreibung der Lebenslage von alleinerziehenden und nicht alleinerziehenden Frauen
  • Abb. 4: Gesundheitsverhalten von alleinerziehenden und nicht alleinerziehenden Frauen

    Gesundheitsverhalten von alleinerziehenden und nicht alleinerziehenden Frauen

    * p <= 0,05
    ** Der neue Indikator "Gesundheitsverhalten" wurde aus einer Kombination von sechs Variablen zum Gesundheitsverhalten gebildet und nimmt Werte zwischen 0 und 6 an. Mit steigenden Werten in dieser Variable geht auch ein jeweils schlechteres Gesundheitsverhalten einher.