gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Die Entwicklung der partizipativen Entscheidungsfindung: Die Sicht der Versicherten und der Ärzte

Eine Stärkung der Eigenverantwortung von Patienten steht im Mittelpunkt vieler Reformvorhaben. Die partizipative Entscheidungsfindung als konkrete Patientenbeteiligung im Behandlungsgeschehen stellt für Arzt und Patient gleichermaßen eine Herausforderung dar. Der Beitrag untersucht beide Perspektiven auf die gemeinsame Behandlungsentscheidung.

Viele Patienten möchten über ihren Behandlungsverlauf mitentscheiden. Ein ausreichendes Wissen über die eigene Erkrankung, die Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten bildet die Grundlage der Entscheidungsfähigkeit des Patienten im Arzt-Patienten-Gespräch. Allerdings setzt dies die besondere Bereitschaft der Ärzte zum Dialog voraus. Nicht zuletzt muss die Verantwortung der Behandlungsentscheidung von beiden Seiten getragen werden, auch wenn der Patient sich einmal nicht für die vom Arzt bevorzugte Therapie entscheidet.

Der Beitrag "Die Entwicklung der partizipativen Entscheidungsfindung: Die Sicht der Versicherten und der Ärzte" untersucht die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen eines gemeinsamen Entscheidungsprozesses zwischen Arzt und Patient. Welche strukturellen gesundheitspolitischen Bedingungen müssen geschaffen werden, damit sich die partizipative Entscheidungsfindung in der Praxis durchsetzen kann?

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Etwa die Hälfte der befragten Versicherten wünscht sich eine gemeinsame Entscheidungsfindung. Der Wunsch nach partizipativer Entscheidung ist unabhängig von Geschlecht, Einkommen und Bildungsstatus. Lediglich das Alter spielt eine signifikante Rolle. Patienten im Alter zwischen 45 und 65 Jahren haben häufiger den Wunsch sich in den eigenen medizinischen Entscheidungsprozess einzubringen als jüngere und ältere Versicherte.

Die Perspektive auf die gemeinsame Entscheidungssituation weicht bei Arzt und Patient stark voneinander ab: Während 66 Prozent der befragten Ärzte angeben, ihre Patienten in den Behandlungsprozess stark einzubeziehen, sehen nur etwa 36 Prozent der Patienten die eigenen Vorstellungen in den Behandlungsvorschlägen ihres Arztes berücksichtigt. Immerhin 7 von 10 Ärzten geben nach eigener Vorstellung in ihrer Sprechstunde den nötigen Raum für die Fragen der Patienten. Lediglich die Hälfte der Patienten hat jedoch das Gefühl aufkommende Fragen im Behandlungsgespräch äußern zu können. Zudem verweisen nur etwa ein bis zwei von zehn Ärzten auf Fremdinformationen, andere Informationsquellen oder schriftliches Informationsmaterial.

Auch wenn sich ein großer Anteil der Patienten gut vom behandelnden Arzt informiert und aufgeklärt fühlt. Notwendige Veränderungsversuche für eine bessere Umsetzung partizipativer Entscheidungsprozesse könnten vor allem im Bereich der ärztlichen Gesprächsführung und hinsichtlich des ärztlichen Rollenverständnisses eingesetzt werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1: Informationsbedarf im Zeitverlauf (2001-2006)

    Informationsbedarf im Zeitverlauf (2001 bis 2006)

  • Abb. 3: Aussagen der Befragten nach Entscheidungsfindung (2001-2006)

    Aussagen der Befragten nach Entscheidungsfindung (2001 bis 2006)

  • Abb. 5: Häufigkeit der Einbeziehung der Patienten

    Häufigkeiten der Einbeziehung der Patienten

    Zustimmung zu der Aussage: Ich befrage den Patienten nach dessen Vorstellungen zum Behandlungsergebnis