gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Die Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs – Erfahrungen und Informationsbedürfnisse der Versicherten zwölf Jahre nach ihrer Einführung

80 Prozent der Befragten haben schon eine Darmspiegelung gemacht – 94 Prozent davon wollen erneut zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Patienten nehmen Darmkrebs ernst

Versicherte ab 55 Jahre haben in Deutschland Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge. Eine aktuelle Studie des Gesundheitsmonitors hat daher Versicherte zwischen 50 und 64 Jahren zu ihren Erfahrungen mit der Darmkrebsvorsorge befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Deutschen das Thema Darmkrebs ernst nehmen und dabei vor allem auf ihren Hausarzt vertrauen: Fast 80 Prozent der Befragten sind mindestens einmal zur Darmspiegelung gewesen. Daraus geben sechs von zehn Patienten an, dass sie sich auf Empfehlung ihres Hausarztes dazu entschieden haben. Ebenfalls positiv: 90 Prozent der Patienten bewerten die Betreuung vor, während und nach der Darmspiegelung als (sehr) gut und sogar 94 Prozent wollen erneut zur Darmkrebsvorsorge gehen.


Ostdeutsche wollen seltener zur Vorsorge gehen
Von den 50 bis 54jährigen Befragten möchten immerhin 60 Prozent das Angebot zur Darmkrebsvorsorge annehmen. Allerdings ist die Bereitschaft zur Darmspiegelung bei Menschen mit höherem Bildungsstand und in Ost- im Vergleich zu Westdeutschland viel geringer. Das Informationsangebot zur Darmspiegelung könnte deshalb noch weiter an unterschiedliche Zielgruppen angepasst werden; zum Beispiel, indem der Nutzen der Untersuchung gegenüber ihrer Risiken betont wird. Dafür spricht, dass sich 73 Prozent der Versicherten ohne Vorsorge-Erfahrung vor allem Informationen über Risiken und Komplikationen einer Darmspiegelung wünschen. Hier steht der Hausarzt in der Pflicht: Jeder fünfte derjenigen Befragten, die nicht vorhaben, zur Darmkrebsvorsorge zu gehen, begründen ihre Einstellung damit, dass ihr Arzt noch nicht mit ihnen über das Thema gesprochen hat.
 
Studienautoren werben für individuelle Informationsangebote im Internet
Die Autoren der Studie bewerten die Erfahrungen mit der Darmkrebsvorsorge in Deutschland insgesamt als positiv. Bedenklich und überraschend zugleich ist jedoch die wesentlich geringere Teilnahmeabsicht an der Darmkrebsvorsorge in Ost- als in West-deutschland. Woran das liegt – womöglich an einem geringeren oder schlechteren Angebot im Osten als im Westen – sollte laut Studienautoren künftig untersucht werden. Um insgesamt die Skepsis gegenüber der Darmkrebsvorsorge in Teilen der Gesellschaft abzubauen, empfiehlt die Studie, verstärkt auf Online-Angebote zu setzen, um Informationsangebote individuell an die entsprechenden Zielgruppen anzupassen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1

    Anlass für die präventive Koloskopie

    Angaben in Prozent der Befragten, Mehrfachangaben möglich; n = 990
  • Abbildung 8

    Sehr wichtige Informationen für Personen ohne Koloskopie-Erfahrung nach Bildung

    Angaben in Prozent der Befragten; n = 274 bis 357; Signifikanzniveau: * p ≤ 0,05; ** p ≤ 0,01;
    *** p ≤ 0,001; n. s. = nicht signifikant; # nur Erwerbstätige eingeschlossen
  • Abbildung 9

    Sehr wichtige Informationen zur Koloskopie nach Koloskopie-Erfahrung

    Angaben in Prozent der Befragten; n = 1.166 bis 1.806; Signifikanzniveau: ** p ≤ 0,01; *** p ≤ 0,001; n. s. = nicht signifikant; # nur Erwerbstätige eingeschlossen