gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Das Ärzteimage in der Bevölkerung: Im Schatten von "IGeL" und "Zweiklassenmedizin"

Verdienstinteresse oder Patientenwohl: Welche Motive bestimmen laut Bevölkerungsmeinung das ärztliche Handeln? Die Studie untersucht ob ein nachhaltiger Prestigeverlust der Ärzteschaft in der Bevölkerung nachzuweisen ist und welche Faktoren das Ärzteimage beeinflussen.

Ein gutes Arzt-Patientenverhältnis wirkt sich positiv auf den Heilungserfolg des Patienten aus. Beunruhigend sind folglich Medienberichte, die seit einiger Zeit über einen nachhaltigen Vertrauensverlust gegenüber der Ärzteschaft in der Bevölkerung berichten. Als Ursache für den Prestigeverlust werden umstrittene Entwicklungen im Versorgungssystem angeführt, die das Ärzteimage negativ beeinflussen sollen: Die unterschiedliche Behandlung von Kassen- und Privatpatienten ("Zwei-Klassen-Medizin"), der "Verkauf" von Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) in der Praxis und zunehmende Fälle von Abrechnungsbetrug.

Die Studie "Das Ärzteimage in der Bevölkerung: Im Schatten von "IGEL" und "Zwei-Klassen-Medizin" untersucht das Ärzteimage in Deutschland abseits medialer Generalisierungen. Insgesamt 1772 gesetzlich und privat Versicherte wurden hierfür repräsentativ ausgewählt und im Rahmen der Gesundheitsmonitor-Hauptbefragung 2012 zu ihren persönlichen Erfahrungen im Versorgungssystem befragt. Die Befragungsergebnisse zeigen, ob Patienten eine Ungleichbehandlung im Versorgungssystem erfahren und wenn ja, wie sie diese bewerten: Vermuten Versicherte hinter einer Ungleichbehandlung ein strukturelles gesundheitspolitisches Problem? Oder wirkt sich eine Ungleichbehandlung in der Praxis negativ auf das Ärzteimage aus?

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt deutlich, dass Patienten sowohl bei den Wartezeiten im Praxisalltag als auch bei der medizinischen Behandlungsqualität eine Ungleichbehandlung von Kassen- und Privatpatienten erkennen. Als Folge urteilten mehr als die Hälfte der GKV-Versicherten und über ein Drittel der PKV-Versicherten, dass Ärzte Verdienstinteressen höher gewichten als das Patientenwohl. Gleiches gilt für das Angebot der Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Knapp die Hälfte der Kassen- und Privatpatienten ist überzeugt, dass bei der Vermittlung von IGeL-Leistungen der finanzielle Profit der Ärzte und nicht die Gesundheit des Patienten im Vordergrund steht. Wenn Patienten persönlich erleben, dass ihnen Selbstzahlerleistungen in der Arztpraxis angeboten oder dass sie als GKV-Versicherte benachteiligt werden, so wird diese Erfahrung generalisiert und verdichtet sich zu einem negativen Ärzteimage. Die Befragungsergebnisse zeigen deutlich, dass das Ärzteimage keineswegs ein Stereotyp oder unveränderliches Einstellungsmuster der Bevölkerung ist. Konkrete Versorgungserfahrungen im Behandlungszimmer bestimmen das Ärzteimage der Patienten, welches folglich von den Ärzten im Einzelfall positiv oder negativ beeinflusst werden kann. Die Verfasser der Studie empfehlen eine stärkere Initiative der Ärzteverbände, um einer weiteren negativen Entwicklung des Ärzteimages entgegenzuwirken.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.1 - Nachteile, die für GKV-Versicherte vermutet werden

    Vermutete Nachteile von GKV-Versicherten

    n = 1.416 bis 1.630
    nur GKV- und vollständig PKV-Versicherte, ohne Beamte mit Beihilfeberechtigung
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb.4 - Meinungen zu individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) - GKV- und PKV-Versicherte im Vergleich

    Meinungen zu individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) - GKV- und PKV-Versicherte

    n = 1.401 bis 1.519
    Angaben in Prozent der Befragten

Downloads zur Studie

Abstract (English)

Englischer Abstract zur Studie.

Abstract (English)
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