gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Zweitmeinungen – Inanspruchnahme und Bedarf aus Sicht der Bevölkerung

Drei von vier Befragten ändern ihre Entscheidung nach Einholen einer zweiten Meinung.

Patienten möchten sichergehen

89 Prozent der Deutschen schätzen die Möglichkeit, eine ärztliche Zweitmeinung einholen zu können. Diejenigen, die schon einmal einen zweiten Arzt hinzugezogen haben, vertrauen diesem auch meist: 72 Prozent änderten daraufhin ihre Entscheidung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Befragung des Gesundheitsmonitors. Diese ergab darüber hinaus, dass ein Drittel der Befragten schon mal darüber nachgedacht haben, das Angebot einer Zweitdiagnose zu nutzen, circa ein Viertel hat es tatsächlich wahrgenommen. Welchen Stellenwert Zweitmeinungen haben, wird auch dadurch deutlich, dass viele Bürger unter Umständen sogar selbst dafür bezahlen würden.

Die Hälfte der Patienten würde für eine Zweitmeinung zahlen
Durch die wachsende Zahl von Operationen mit fraglichen Indikationen in Deutschland ist auch die Bedeutung ärztlicher Zweitmeinungen gestiegen. Insbesondere bei schweren Diagnosen wie z. B. Krebs oder Herz- und Gefäßerkrankungen erachten die Befragten eine Zweitmeinung als wichtig. Diejenigen, die eine zweite Meinung eingeholt haben, begründen dies vorwiegend mit ihrer Unsicherheit hinsichtlich der Entscheidung (53 %) oder mit schlechten Erfahrungen bei früheren Untersuchungen bzw. Behandlungen (43 %). Gefragt nach der Kostenübernahme für eine ärztliche Zweitmeinung, sind 54 Prozent der Befragten grundsätzlich bereit, anteilig dafür zu bezahlen. Jedoch gibt es diesbezüglich klare Unterschiede zwischen den sozialen Schichten. Oberschichtangehörige und Privatversicherte würden am ehesten Kosten aus eigener Tasche mittragen.

Studienautoren sprechen sich gegen Angebotsbegrenzung und Zuzahlung aus
Laut Studie lässt die große Zustimmung zu Zweitmeinungen darauf schließen, dass die Bevölkerung eine Angebotsausweitung wünscht. Die Autoren fordern ein patientenorientiertes, gerechtes, allen sozialen Schichten offen stehendes Zweitmeinungsangebot ohne Zuzahlungen. Dieses sollte im persönlichen Kontakt zum Arzt stattfinden und bei allen Indikationen in Anspruch genommen werden können. Das Versorgungsstärkungsgesetz sieht jedoch vor, das Recht auf Zweitmeinung auf bestimmte mengenrelevante Eingriffe zu begrenzen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Aufgabe, diese festzulegen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 4

    Entscheidungsveränderung aufgrund der Zweitmeinung

    Befragte mit Zweitmeinungserfahrung; Angaben in Prozent; n = 379; Mehrfachangaben möglich
  • Abbildung 5

    Reaktionen auf eine telefonische ärztliche Beratung der Krankenkasse

    Befragte mit telefonischer Beratungserfahrung; Angaben in Prozent; n = 89; Mehrfachangaben möglich
  • Abbildung 6

    Zahlungsbereitschaft für Zweitmeinungen in Abhängigkeit von der Art der Erkrankung/ Behandlung

    Befragte mit grundsätzlicher Zahlungsbereitschaft; Angaben in Prozent; n = 89; Mehrfachangaben möglich