gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Zuzahlungen im deutschen Gesundheitssystem: Ausmaß, Determinanten und Konsequenzen für die Medikamenteninanspruchnahme

In Deutschland sollen gesetzliche Befreiungsregelungen die Versicherten vor finanzieller Überforderung schützen. Doch bei wie vielen Patienten führt die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen dennoch zu erheblichen finanziellen Belastungen? Die Studie untersucht, ob und in welchem Ausmaß Zuzahlungen die Inanspruchnahme von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln beeinflussen.

Das Für und Wider der Finanzierung von Gesundheitsleistungen über Zuzahlungen wird immer wieder diskutiert. Besonders für einkommensschwache Personen und chronisch Kranke sehen Kritiker in Zuzahlungen eine Zugangsbarriere zu medizinisch notwendiger Versorgung. Dagegen erhoffen sich Befürworter auf diesem Weg die Eigenverantwortung und das Kostenbewusstsein des Einzelnen zu stärken. Ihrer Meinung nach sind Zuzahlungen ein geeignetes Instrument um die Nachfrage nach unnötigen und wenig wirksamen Leistungen zu reduzieren.

Für Deutschland liegen kaum Erkenntnisse vor, wie sich Zuzahlungen auf die Inanspruchnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten auswirken. Daher untersucht die Studie „Zuzahlungen im deutschen Gesundheitssystem: Ausmaß, Determinanten und Konsequenzen für die Medikamenteninanspruchnahme“ inwiefern mit Zuzahlungen eine verringerte Leistungsnachfrage einhergeht und welche Faktoren diese Wirkung beeinflussen.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Annahme der Kritiker, dass Zuzahlungen die Einnahme verschreibungspflichtiger Arzneimittel verringern. Zwischen 30 Prozent und 10 Prozent der Befragten haben zur Vermeidung von Zuzahlungen auf Selbstmedikation zurückgegriffen, die Rezepteinlösung zeitlich verschoben oder gänzlich darauf verzichtet. Kritisch zu betrachten ist vor allem, dass Personen mit niedrigen Einkommen und chronisch Kranke deutlich häufiger angaben, die Medikamenteneinnahme zu reduzieren oder zeitlich zu verzögern. Insbesondere bei Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und zu hohen Cholesterinwerten kann dieses Verhalten langfristig negative gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Das stellt nicht nur eine Gefährdung für den einzelnen Patienten dar, sondern aufgrund der Mehrkosten auch eine Belastung für das gesamte Gesundheitswesen.

Es wird deutlich, dass die Befreiungsregelungen noch nicht ausreichend greifen, um allen Patienten den Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung problemlos zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund ist die Ausgestaltung der gesetzlichen Befreiungsregelungen noch einmal zu überarbeiten.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1 - Höhe der geleisteten Zuzahlungen

    Höhe der geleisteten Zuzahlungen

    durchschnittliche Ausgaben in Euro pro Jahr
    n = 1.795
    Angaben in Euro
  • Abb. 2 - Beeinträchtigung der Medikamenteninanspruchnahme aufgrund von Zuzahlungen

    Haben Sie im Jahr 2012 wegen der von Ihnen zu tragenden Zuzahlungskosten Folgendes getan?

    n = 1.795
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 3 - Selbstmedikation wegen hoher Zuzahlungskosten

    Haben Sie im Jahr 2012 wegen der von Ihnen zu tragenden Zuzahlungskosten auf Selbstmedikation zurückgegriffen?

    Angaben in Prozent der Befragten