gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Vertrauen bei der Wahrnehmung und Bewertung von Akteuren, Institutionen und Eigenschaften des Gesundheitswesens

Gesundheit und Krankheit sind durch ein hohes Maß an Risiken, Unsicherheiten und Asymmetrien geprägt. Es ist daher ein gewisses Maß an Vertrauen in verschiedene Akteure, Institutionen und Eigenschaften des Gesundheitswesens notwendig, damit Diagnose und Therapie funktionieren können. Es wird erstmals in Deutschland das Konzept des Public Trust untersucht, das vom NIVEL-Institut in den Niederlanden entwickelt wurde. Ein internationaler Vergleich von Daten aus verschiedenen Ländern soll folgen.

Hohes Vertrauen genießen die Akteure Hausarzt, Facharzt und Zahnarzt. Mehrheitliches Vertrauen genießen die Akteure Apotheker, Physiotherapeut, Pflegepersonal, sowie die Institution Krankenhaus und dass die Ausbildung der Ärzte in Deutschland eine der weltbesten ist. Eine Vielzahl von Eigenschaften des Gesundheitswesens hat ein Vertrauens­potential, dass zwischen 30 und 49 Prozent liegt: diese betreffen Eigenschaften in den Bereichen Kommunikation, Koordination und Information. Das Vertrauen des Befragten liegt unter 30 Prozent in den Bereichen, die sich mit Wartezeiten und knappen Ressourcen beschäftigen – also dem Bereich der politischen Umgestaltung. Ärztlichen Anbietern von Alternativmedizin vertrauen weniger als 40 Prozent der Befragten. Dem personenbezogenen Vertrauen stehen beträchtliche funktionsbezogene Vertrauenseinschränkungen gegenüber. Im Bereich der Pflege besteht ein mehrheitliches Misstrauen gegenüber den Akteuren und Institutionen. Befragte aus der Unter­schicht haben ein größeres Vertrauen, gleiches gilt für ostdeutsche Befragte. Je häufiger die Befragten Kontakt zum Hausarzt haben, desto größer wird ihr Vertrauen. Behinderte vertrauen deutlich weniger den Physiotherapeuten, aber mehr den Krankenhäusern als der Bevölkerungs­durchschnitt.

Das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitswesen ist defizitär. Der Vertrauensmangel ist ein schwerwiegendes Problem für die Leistungsanbieter. Reformen be­nötigen Vertrauen, um zu funktionieren. Der internationale Vergleich wird zeigen, ob es sich um eine deutsche Grundstimmung handelt oder vielleicht auch um die Auswirkungen der Organisa­tionsform des Gesundheitswesens. Das Hausarztsystem des Niederlande oder der staatliche National Health Service Großbritanniens bieten interessante Vergleichsmöglichkeiten.