gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Verhaltensprävention: Guter Wille allein reicht nicht

Das gesundheitsbezogene Verhalten des Einzelnen gilt als Schlüssel für eine erfolgreiche Krankheitsprävention und ein langes Leben. Faktoren wie soziale Ungleichheit, Bildungsniveau und Einkommen werden dabei häufig unterschätzt. Der Beitrag ermittelt die Einstellung der Bevölkerung zu den Themen Verhaltensprävention und Lebenserwartung.

Ein langes Leben gilt heutzutage als persönliche Herausforderung. Dabei ist eine lange Lebenserwartung nicht allein von einer gesunden Lebensführung abhängig. In vielen wissenschaftlichen Studien wurde der enorme Einfluss der sozialen Ungleichheit auf Gesundheit und Lebenserwartung bereits erwiesen. Je nach Studie und Land ergibt sich zwischen niedrigen und hohen Bildungsabschlüssen eine Differenz von vier bis zehn Jahren.

Der Beitrag „Verhaltensprävention: Guter Wille alleine reicht nicht“ untersucht, wie die Bevölkerung die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Lebenserwartung einschätzt. Etwa 1.500 Befragungsteilnehmer gaben an, welchen Stellenwert sie dem individuellen Gesundheitsverhalten im Vergleich zu anderen Faktoren wie beispielsweise den Erbanlagen, der Bildung und den finanziellen Ressourcen beimessen. Die Befragungsergebnisse weisen auf ungenutzte Möglichkeiten hin, um von gesundheitspolitischer Seite besser auf gesundheitsriskantes Verhalten einwirken zu können.

Die  Ergebnisse des Gesundheitsmonitors zeigen: Die  Bedeutung sozialer Faktoren für die Lebenserwartung wird von der Bevölkerung stark unterschätzt. Stattdessen rangiert die individuelle gesundheitliche Lebensweise an erster Stelle. Darauf folgen, jedoch mit deutlichem Abstand, Erbanlagen und Veranlagung. Überraschend ist die große Bedeutung, welche die Befragten den psychischen Belastungen privater und beruflicher Natur zugesprochen. Eine gute Schul- und Berufsausbildung rangiert nach Schicksal, Zufall, Glück und Pech an allerletzter Stelle. Dabei vertreten Angehörige der Unterschicht doppelt so häufig die Ansicht, dass das Bildungsniveau keine Rolle für die Lebenserwartung spiele. Obwohl sich dieser Faktor in einigen epidemiologischen Studien als eine der zentralen Einflussgrößen für Morbidität und Mortalität herausgestellt hat, scheint dies in der Bevölkerung bislang nicht angekommen zu sein.

Die Einstellung zu verschiedenen Präventionsmaßnahmen ist im Einzelnen deutlich geprägt vom individuellen Verhalten des Befragten. Wird das eigene Verhalten infrage gestellt, sinkt die Akzeptanz für die jeweilige Präventionsmaßnahme. Ein genereller Präventionsüberdruss in der Bevölkerung konnte jedoch nicht festgestellt werden. Im Gegenteil besteht ein großes Interesse an verhaltenspräventiven Maßnahmen. Allerdings klaffen der gute Vorsatz und die Umsetzung von konkreten und dauerhaften Verhaltensänderungen stark auseinander. So hat sich ein Großteil der Bevölkerung in den 12 Monaten vor der Befragung um gesundheitsrelevante Verhaltensänderungen bemüht. Allerdings konnte dies nur bei einer Minderheit zu erfolgreichen und nachhaltigen Veränderungen führen.

Insgesamt gilt festzuhalten, dass die Bereitschaft zur Verhaltensänderung sehr hoch ist, dass es aber zugleich an handlungsleitenden Informationen und praktischer Unterstützung fehlt, dies auch erfolgreich umzusetzen. Vielfältige Präventionspotentiale in der Bevölkerung werden nicht ausgeschöpft.  

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2. - Einstellung gegenüber Präventionsmaßnahmen

    Einstellung gegenüber weiteren Präventionsmaßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern

    n = 1.439 bis 1.450
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 4. - Bekanntheitsgrad bevölkerungsweiter Präventionsmaßnahmen

    Bekanntheitsgrad von bevölkerungsweit angelegten Präventionskampagnen. Befragte, die die jeweilige Kampagne …

    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 7. - Thematisierte Präventionsthemen beim Hausarzt

    Vom Arzt angesprochene Themen zur Früherkennung und Prävention. Arzt hat das folgende Problem angesprochen:

    n = 1.348 bis 1.428
    Alle Angaben in Prozent der Befragten