gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Solidarität und Wahlfreiheit in der GKV

Reformoptionen im Gesundheitswesen sehen eine weitere Aufweichung der Verteilungsmechanismen der solidarischen Krankenversicherung zugunsten von mehr Eigenbeteiligung und Eigenverantwortung vor. Es wird untersucht, welche Reichweite solche Reformideen haben und welche sozialen Gruppen sie befürworten bzw. sie ablehnen.

Gut die Hälfte der Befragten befürwortet für die Beibehaltung der jetzigen Umvertei­lungsmechanismen, ein Drittel befürwortet die Beschränkung auf Grundleistungen und die Er­gänzung mit privaten Zusatzversicherungen und nur 13 Prozent votieren für die völlige Privati­sierung der Krankenversicherung. Chronisch Kranke, Behinderte und Patienten mit häufigen Arztkontakten befürworten häufiger das jetzige System. Befragte aus der Oberschicht präferieren eher privat finanzierte Lösungen. Alle vier Umverteilungsmechanismen werden mehrheitlich ak­zeptiert. Lediglich die Familienmitversicherung wird kritischer beurteilt. Insgesamt unterscheiden sich die moralischen Urteile von Gebern und Nehmern jedoch nicht gravierend. Im Angebot verschiedener Reformoptionen für die Gesetzliche Krankenversicherung werden höhere Eigen­beteiligungen mehrheitlich abgelehnt; befürwortet wird vor allem der Hausarzt als primäre Anlauf­stelle in der Versorgung. Wahltarife und Eigenbeteiligungen sind nur für die oberen Schichten interessant. Der gesundheitliche Status spielt für diese Präferenzen keine Rolle.

Die solidarische Krankenversicherung ist in der Bevölkerung verankert. Auch die Geber unterstützen die Umverteilungsmechanismen. Alter und Gesundheitszustand sind keine Indikatoren für die Präferenz bei Reformoptionen, wohl aber der sozioökonomische Status. Hier wird weniger ein Versorgungsinteresse als ein statusorientiertes Interesse deutlich. Insbesondere die individuelle Verringerung des versicherten Leistungsumfangs in Verbindung mit Beitragssenkungen ist bei der ökonomischen Zwangslage von bestimmten Gruppen eher kritisch zu beurteilen.