gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

„Shared Decision Making“ – partizipative Entscheidungsfindung auf dem Weg in die Praxis

Auf gesundheitspolitischer Ebene und in der hausärztlichen Praxis wird die Umsetzung patientenzentrierter Kommunikations- und Entscheidungsmodelle vorangetrieben und vorbereitet. Der Artikel untersucht, inwiefern diese Entwicklungen sich in den Erfahrungen und Erwartungen der Versicherten und Patienten wiederspiegeln.

Der Zeitvergleich zeigt, dass die mehrheitlich positive Erwartung der Patienten, Entscheidungen gemeinsam mit dem Arzt zu treffen, stabil ist. Nur 54 Prozent der chronisch Kranken wünschen eine gemeinsame Entscheidungsfindung. Patienten, die gemeinsam mit dem Arzt entscheiden möchten, suchen auch häufiger nach Gesundheitsinformationen, insbesondere dann, wenn der eigene Gesundheitszustand schlecht ist oder eine chronische Erkrankung vorliegt. Ziele sind die Verbesserung des eigenen Gesundheitsverhaltens und ein besseres Verständnis der Zusammenhänge; nur selten will der Patient eine Therapie entdecken, die der Arzt womöglich nicht kennt. 81 Prozent der betroffenen Patienten bewerten die Reaktion ihres Arztes auf die gefundenen Informationen als positiv, auch wenn die Ärztebefragung zeigen konnte, dass die Ärzte diese Informationen häufiger als "nicht hilfreich" einstufen. Das Internet spielt bei der Informationssuche noch eine untergeordnete Rolle; 41 Prozent der Nutzer wollen nach einem Arztbesuch noch genauere Informationen bekommen, 28 Prozent bereiten sich so auf einen anstehenden Arztbesuch vor.

Patienten wollen gemeinsam mit dem Arzt über ihre Behandlung entscheiden und sie sind bereit, sich gesundheits- und krankheitsrelevante Informationen zu beschaffen. Fehlinterpretationen sind aber für Ärzte eher ein Hindernis. Eine Qualitätsbewertung von Gesundheitsinformationen wäre ein Ausweg, um gute von verwirrenden Informationen zu trennen. Vorbild könnten die Niederlande sein, wo in den Hausarztpraxen schriftliche Patienteninformationen zu über 70 Indikationen vorliegen. Gemeinsame Entscheidungsfindung kann nur bei einer kontinuierlichen Arzt-Patienten-Beziehung funktionieren, und muss daher auch im Kontext von Hausarztmodellen diskutiert werden.