gesundheitsmonitor
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Rabattverträge bei Medikamenten: Erfahrungen der Patienten

Seit April 2007 hat sich der Arzneimittelmarkt durch die Einführung von Rabattverträgen zwischen Krankenversicherungen und pharmazeutischen Unternehmen grundlegend gewandelt. Für Patienten bedeutet dies häufig einen Medikamentenwechsel. Welche ersten Erfahrungen die GKV-Versicherten mit Rabattverträgen gemacht haben und wie die grundlegende Einstellung zu diesem neuen Instrumentarium ist, untersucht dieser Artikel.

Bereits mit dem zum 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Beitragssatzsicherungsgesetz ermöglichte der Gesetzgeber erstmals den Abschluss von Rabattverträgen zwischen einzelnen pharmazeutischen Unternehmen und den Krankenkassen. Allerdings ist erst mit dem GKV- Wettbewerbsstärkungsgesetz zum 1. April 2007 eine gesetzliche Änderung in Kraft getreten, die diese Option für alle beteiligten interessanter gestaltet und zu einem sprunghaften Anstieg der abgeschlossenen oder angekündigten Verträge geführt hat. Der Apotheker ist seit diesem Zeitpunkt zur bevorzugten Abgabe eines rabattierten, wirkstoffgleichen Arzneimittels verpflichtet und darf nach Rahmenvertrag nur abweichen, wenn kein Rabattvertrag vorliegt. Ziel dabei: die Kostensenkung bei den Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen. Welche Folgen dies für die Patienten hat, lässt sich bislang nur schwierig abschätzen. Einen Anfang macht der Artikel "Rabattverträge bei Medikamenten, Erfahrungen der Patienten".

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Versicherten über Rabattverträge informiert ist. Informiert sind vor allem diejenigen, die Arzneimittel anwenden. Informationen zu der neuen Rabattregelung erhielten die Befragten mehrheitlich direkt von den Apothekern oder über Medien beziehungsweise Bekannte. Erstaunlich ist der geringe Anteil von Versicherten, die sich aktiv von ihrem Arzt oder ihrer Krankenkasse zu dieser Thematik informiert fühlten. Die Ergebnisse decken sich mit den Resultaten anderer Befragungen, in denen ermittelt werden konnte, dass sich Ärzte von den Verträgen weniger betroffen und, entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag, die Apotheker in der Pflicht der Beratung sehen. Etwa 40 Prozent der Befragten gaben an einen unerwarteten Medikamentenwechsel in einer Apotheke innerhalb des letzten halben Jahres gehabt zu haben. Die Mehrheit (etwa 75 %) derer die dafür eine Erklärung bekamen, akzeptierten die Begründung, die fast ausschließlich mündlich erfolgte. Die immer wieder geäußerte Befürchtung, dass es infolge der Medikamentenwechsel zu häufigen Therapieproblemen kommt, können anhand der vorliegenden Daten nicht bestätigt werden. Jedoch gab mehr als ein Viertel der Befragten an, verunsichert gewesen zu sein. Weitere 6,5 Prozent gaben an sich um eine neue Verordnung bemüht zu haben beziehungsweise das Medikament nicht wie vorgeschrieben eingenommen zu haben.

Insgesamt zeigt sich, dass die Patienten die Rabattverträge eher positiv bewerten. Und dies obwohl die Informationspolitik der Krankenkassen zu dieser weitreichenden Veränderung im der Arzneimittelversorgung als defizitär bewertet wird. Dennoch fordern die Autoren alle Beteiligten, insbesondere Ärzte und Krankenkassen, dazu auf ihrer Beratungs- und Informationsverpflichtung noch stärker nachzukommen und auftretende Probleme verantwortungsvoll und patientenorientiert zu lösen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 3: Wie erfolgte die Information über Rabattverträge?

    Wie erfolgte die Information über Rabattverträge?

    Angaben in Prozent
    Mehrfachnennungen möglich; n = 759
  • Abb. 4: Erklärung bei Medikamentenwechsel durch die Apotheke

    Erklärung bei Medikamentenwechsel durch die Apotheke

    Alle Angaben in Prozent
    Mehrfachnennungen möglich; n = 521
  • Abb. 6: Auswirkungen des Medikamentenwechsels auf die Einnahme des Arzneimittels

    Auswirkungen des Medikamentenwechsels auf die Einnahme des Arzneimittels

    Alle Angaben in Prozent
    Mehrfachnennungen möglich; n = 521
  • Abb. 7: Bewertung des Instruments der Rabattverträge durch GKV-Versicherte

    Bewertung des Instruments der Rabattverträge durch GKV-Versicherte

    Alle Angaben in Prozent
    n=1,275