gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Prävention: Steuerungsperspektiven für Anbieter und Nutzer

Mehr Prävention wird von allen gesundheitspolitischen Akteuren gewünscht. Gesundheitschancen sind in der Gesellschaft jedoch unterschiedlich verteilt. Daher muss Prävention differenziert werden. Der Artikel untersucht die Perspektiven der Versicherten und der Ärzte, an welchen Inhalten sich Präventionsprogramme orientieren sollen, welche strukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen sind und in welcher Zuständigkeit sie durchgeführt werden sollen.

Die Ergebnisse der Befragungen zeigen: Die Hälfte der Befragten gibt an, stark auf die eigene Gesundheit zu achten, insbesondere durch gesunde Ernährung, den Verzicht auf Tabak- und Alkoholkonsum. Dabei zeigen sich deutliche Schicht- und Altersunterschiede. Auch die Ärzte sehen die große Bedeutung der Prävention. Fast die Hälfte sieht sie als gemeinsame Aufgabe von Arzt und Patient. Verhaltensbezogene Maßnahmen der Prävention bewerten sie als wirksamer als medikamentöse Therapien. In der ärztlichen Praxis nimmt die Prävention jedoch nur einen geringen Stellenwert ein. Etwa 40 Prozent der Ärzte bieten präventive Leistungen in der eigenen Praxis an. Weniger als ein Viertel der befragten Versicherten gibt jedoch an, in den letzten 12 Monaten vom Hausarzt solche Leistungen angeboten bekommen zu haben. Änderungen im Gesundheitsverhalten kommen dann vor, wenn die Versicherten eine intrinsische Motivation - wie z.B. die Erkenntnis über gesundheitliche Einbußen - haben; Bonusprogramme sind kein hinreichender Anreiz, insbesondere nicht bei den unteren sozialen Schichten. Ärzte bedürfen einer verbesserten Vergütung für Gesundheitsberatung, mehr Zeit für Prävention und einer intensiveren Fort- und Weiterbildung zu Präventionsthemen.

Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung müssen schicht- und altersgruppenspezifisch ausgerichtet werden. Gesundheitspolitische Steuerung der Versicherten hin zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil scheint eher zwecklos; vielmehr ist es Aufgabe des Arztes, intrinsische Motivation zu fördern und den Patienten auf seinem persönlichen Weg zu begleiten. Der Arzt ist wichtiger Ansprechpartner für die Versicherten und die Ärzte sehen hier auch eine wichtige Aufgabe, der sie aber noch nicht genügend Zeit und Energie schenken. Andere Vergütungsstrukturen, die der bedeutenden Aufgabe der Prävention besser gerecht werden, müssen hier unterstützen.