gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Neue Aufgabenverteilung zwischen Gesundheitsberufen in der Arztpraxis aus Patientensicht

Eine Pflegekraft, die bei gesundheitlichen Problemen berät oder ein Rezept für chronische Erkrankungen ausführt? In diesem Artikel wird die Einstellung der Nutzer des Versorgungssystems gegenüber der Aufgabenneuverteilung im ambulanten Bereich untersucht. Besonders interessant ist dabei, inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen erweiterte Kompetenzen für speziell geschulte nicht ärztliche Gesundheitsberufe akzeptiert würden.

Während Länder wie Schweden, Norwegen und England bereits auf eine jahrzehntelange starke Einbeziehung nicht ärztlicher Gesundheitsberufe in der Primärversorgung zurückblicken können, gilt diese in Deutschland immer noch als ausschließlich ärztliche Domäne. Aber auch hierzulande wird, insbesondere im Kontext der demographischen Entwicklung, der veränderten Morbiditätsstruktur und einer fortschreitenden Spezialisierung, über eine neue Aufgabenverteilung zwischen Gesundheitsberufen nachgedacht. So fordert das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrates eine stärkere Einbeziehung nichtärztlicher Gesundheitsberufe in das Versorgungsgeschehen und durch das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz bietet sich die Möglichkeiten Modellvorhaben durchzuführen. Der Artikel "Neue Aufgabenverteilung zwischen Gesundheitsberufen in der Arztpraxis aus Patientensicht" bietet Erkenntnisse zu Erfahrungen und Präferenzen der Patienten bezüglich der Aufgabenverteilung in Arztpraxen, zu Aufgabenübertragungen sowie zu Voraussetzungen, zu Anreizen und Risiken im Zusammenhang mit Aufgabenübertragungen.

Die Befragungsergebnisse machen deutlich, wie zentral die Position der Ärzte im deutschen Gesundheitssystem ist und die Versorgungsrealität, die Patienten in diesem System erleben, ihre Einstellungen prägen. Tätigkeiten die gegenwärtig ausschließlich von Ärzten zu erbringen sind, werden auch ganz überwiegend dieser Berufsgruppe zugeordnet. Grundsätzlich delegationsfähige Tätigkeiten werden nach Erfahrung der Befragten überwiegend vom Praxispersonal übernommen. Dazu zählen die Erstellung von Röntgenaufnahmen und das Messen von Körperwerten. Lediglich die Anamnese Erhebung fällt etwas aus dem Rahmen. Ein Drittel der Befragten lehnt Aufgabenübertragungen grundsätzlich ab. Das gilt für die Behandlung bestimmter chronischer Erkrankungen, Beratungsgespräche bei Gesundheitsproblemen oder Medikamentenverordnungen. Lediglich bei leichten Erkrankungen oder benötigten Folgerezepten könnte sich die Mehrzahl der Befragten eine Substitution ärztlicher Leistungen vorstellen. Bemerkenswert ist, dass insbesondere die älteren Bevölkerungsgruppen, Menschen mit niedriger Schulbildung und unterer Schichtzugehörigkeit eine ablehnende Haltung annehmen. Als wichtigste Voraussetzung dafür, sich, außer bei schweren Erkrankungen, auch durch speziell weitergebildete Arzthelfer oder Pflegekräfte behandeln zu lassen, nennen die Befragten die Erstattung eines regelmäßigen Berichts der speziell weitergebildeten Kraft an den Arzt. Weitere wichtige Kriterien: Die Zusammenarbeit des weitegebildeten Kraft und des Arztes unter einem Dach sowie eine langjährige Berufserfahrung. Generell sehen die Befragten mehrheitlich Ärzte als bessere Ansprechpartner und befürchten, dass spezialisiertes Personal Krankheiten übersehen könnte. Gleichzeitig teilt eine deutliche Mehrheit aber auch die Ansicht, dass durch die Übertragung von bestimmten Aufgaben der Arzt entlastet wird und dadurch mehr Zeit für das Wesentliche hat.

Internationale Erfahrungen legen nahe, dass Patienten ihre Vorbehalte abbauen und Akzeptanz für neue Rollenaufteilungen aufbauen, wenn sie reale positive Erfahrungen sammeln können. Die Kompetenzausweitung nicht ärztlicher Gesundheitsberufe kann sich nach Ansicht der Autoren nur schrittweise vollziehen. Insofern begrüßen sie die Möglichkeiten zur Durchführung von begrenzten Modellvorhaben zur Aufgabenneuverteilung, die das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz geschaffen hat.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 4: Würden Sie auch in Deutschland speziell weitergebildete Arzthelfer oder Pflegekräfte aufsuchen (anstelle des Haus- oder Facharztes), wenn...

    Würden Sie auch in Deutschland speziell weitergebildete Arzthelfer oder Pflegekräfte aufsuchen (an Stelle vom Haus- oder Facharzt), wenn ...

    Alle Angaben in Prozent
    Mehrfachnennungen möglich; n = 1.454
  • Abb. 6: Wie wichtig wären Ihnen folgende Voraussetzungen, damit Sie sich - außer bei schwerwiegenden Erkrankungen - auch durch speziell weitergebildete Arzthelfer oder Pflegekräfte behandeln lassen?

    Wie wichtig wären Ihnen folgende Voraussetzungen, damit Sie sich – außer bei schwerwiegenden Erkrankungen – auch durch speziell weitergebildete Arzthelfer oder Pflegekräfte behandeln lassen?

    Alle Angaben in Prozent
    Mehrfachnennungen möglich; n = 920
  • Abb. 8: Wenn Sie an die Übertragbarkeit heutiger ärztlicher Aufgaben an speziell weitergebildeten Arzthelfer oder Pflegekräfte denken: Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

    Wenn Sie an die Übertragbarkeit heutiger ärztlicher Aufgaben an speziell weitergebildete Arzthelfer oder Pflegekräfte denken: Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu?

    Alle Angaben in Prozent
    Mehrfachnennungen möglich; n = 1.446