gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Kassenpatriotismus? Eine empirische Analyse zum Wechselverhalten in der Gesetzlichen Krankenversicherung

Wechselt ein gesetzlich Krankenversicherter die Krankenkasse hat dies sicherlich gewichtige Gründe. Aber welche genau sind das? Der Beitrag analysiert Faktoren die Versicherte zum Krankenkassenwechsel bewegen. Inwiefern ist die tatsächliche Zufriedenheit der Versicherten für eine Wechselabsicht ausschlaggebend?

Seit 1996 besteht für Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) die Freiheit der Krankenkassenwahl. Die Versicherten können also frei entscheiden, welcher gesetzlichen Krankenkasse sie beitreten möchten. Besonders bei finanziellen Anreizen reagiert der Versicherte. Als in den Jahren 2009 und 2010 von einigen Krankenkassen erstmals Zusatzbeiträge gefordert wurden, machten allein im ersten Quartal 2010 eine halbe Million Versicherte von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch.

Die Studie "Kassenpatriotismus? Eine empirische Analyse zum Wechselverhalten in der Gesetzlichen Krankenversicherung" untersucht die Motive und Auslöser hinter einem Krankenkassenwechsel. Im Rahmen der Gesundheitsmonitor-Befragung im Frühjahr 2012 wurden die Ergebnisse von 1247 gesetzlich Versicherten mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren ausgewertet. Die Versicherten beantworteten Fragen zu den allgemeinen Bedingungen ihrer Krankenkasse, beispielsweise zu den Bindungsfristen und dem Sonderkündigungsrecht. Außerdem sollten sie sich dazu äußern, ob sie mit ihrer Krankenkasse zufrieden sind oder andernfalls einen Kassenwechsel planen. Verfügen die Versicherten überhaupt über die relevanten Informationen, die sie zu einer sinnvollen Entscheidung befähigen?

Ein Kassenwechsel setzt voraus, dass die Versicherten die Unterschiede verschiedener Versicherungsangebote kennen und über die Rahmenbedingungen der eigenen Krankenkasse informiert sind. Knapp die Hälfte der Befragten fühlt sich jedoch insgesamt schlecht oder weniger gut über die Möglichkeiten eines Krankenkassenwechsels informiert. Weitere 39 Prozent empfinden es als schwierig, sich zuverlässig über den Wechsel der Krankenkasse und damit verbundene Vor- und Nachteile zu informieren. Auch die allgemeinen Rahmenbedingungen der eigenen Krankenkasse sind vielen Versicherten nicht vertraut: So vermeiden Versicherte einen Kassenwechsel, da sie irrtümlicherweise glauben sie seien damit versicherungstechnischen Nachteilen ausgesetzt und angesparte Beiträge würden bei einem Wechsel verloren gehen. Immerhin 7 Prozent waren der falschen Überzeugung langjährige Mitglieder bekämen mehr Leistungen erstattet. Manchen Versicherten ist ein Wechsel der Krankenkasse auch schlichtweg zu aufwendig. Über 15 Prozent der Befragten schreckte allein vor der Vorstellung eines zeitintensiven bürokratischen Aufwands zurück. Trotz des offenbarten Informationsdefizites zeigte sich die Mehrheit der Befragten (89 Prozent) mit ihrer Krankenkasse zufrieden. Weitere 26 Prozent gaben an, es sei ihnen prinzipiell gleichgültig, bei welcher Krankenkasse sie versichert seien.

Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis, dass die Zufriedenheit mit der nächstgelegenen Geschäftsstelle häufig ausschlaggebend für die Wechselbereitschaft eines Versicherten ist. Damit bekräftigen die Befragungsergebnisse eindeutig die Bedeutung eines ausgeprägten Geschäftsstellennetzes und der sogenannten "Versorgerkrankenkassen". Besonders in einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf an Betreuungs- und Beratungsaufwand stetig und gewinnt für die Versicherten an Bedeutung - auch bei der Wahl der Krankenkasse.
Das Kriterium „Höhe des Beitragsstatus“ bzw. Zusatzbeitrags konnte nicht in die Analyse der Wechselgründe einfließen, da hier zum Zeitpunkt der Befragung keine Unterschiede zwischen den Kassen vorlagen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.1 - Bekanntheit neuer Versorgungsformen

    Bekanntheit neuer Versorgungsformen im Gesundheitswesen

    Mehrfachangaben möglich
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb.2 - Krankenkassenwechsel aus Sicht der Bürger

    Informationsgrad bezüglich eines Krankenkassenwechsels

    Mehrfachangaben möglich
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb.3 - Zufriedenheit mit der eigenen Krankenkasse nach Krankenkassenart

    Zufriedenheit der Befragten mit der Krankenkasse nach Krankenkassenart

    n = 1.159
    Angaben in Prozent der Befragten

Downloads zur Studie

Abstract (English)

Englischer Abstract zur Studie.

Abstract (English)
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