gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) - Randerscheinung oder relevanter Faktor im Gesundheitssystem?

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen erfasst und müssen von den Versicherten selbst bezahlt werden. Welche Bedeutung hat das Angebot der Selbstzahlerleistungen in der ambulanten Versorgung? Der Beitrag untersucht, wem und warum Ärzte individuelle Gesundheitsleistungen anbieten.

Der Markt für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) wächst seit Jahren. Die Palette der angebotenen Leistungen ist groß und für die Patienten kaum überschaubar. Eine gesicherte Qualitätssicherung für IGeL-Leistungen gibt es bislang nicht. So können Patienten nur schwer beurteilen, ob es sich bei dem Angebot um eine für sie sinnvolle Leistung abseits des GKV-Leistungskataloges handelt.

Der Beitrag "Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) - Randerscheinung oder relevanter Faktor im Gesundheitssystem?" untersucht die Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Individuellen Gesundheitsleistungen. Gibt es eine bevorzugte Zielgruppe für IGeL-Angebote und wie reagieren die Versicherten auf das ständig wachsende Angebot?

Die Umfrage unter GKV-Versicherten zeigt: Individuelle Gesundheitsleistungen haben einen hohen Stellenwert in der ambulanten Versorgung. 53 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie in den vergangenen 12 Monaten vor der Umfrage mindestens einmal individuelle Gesundheitsleistungen von ihrem Arzt angeboten bekamen. Mit Abstand am häufigsten handelte es sich dabei um zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen - wie etwa Untersuchungen zur Krebsvorsorge oder sogenannte "Gesundheitschecks". Darauf folgten alternative Heilmethoden wie Akupunktur und Laboruntersuchungen. Bei lediglich 11 Prozent der angebotenen IGeL-Leistungen handelte es sich um neuartige Untersuchungsmethoden. Etwa die Hälfte der Befragten, denen eine Selbstzahlerleistung angeboten wurde, nutzte das Angebot auch.

Auf Grundlage der Ergebnisse des Gesundheitsmonitors liegt nahe, dass beim Angebot der Individuellen Gesundheitsleistungen verstärkt wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Herausragende Zielgruppe für Selbstzahlerleistungen sind Angehörige der oberen Mittelschicht im Alter zwischen 60 und 69 Jahren und Frauen. Besonders bemerkenswert erscheint, dass Gesunden deutlich häufiger IGeL-Leistungen angeboten werden als Kranken. Befragte, die sich gesund fühlen und es objektiv auch sind, werden offenbar deutlich mehr Leistungen angeboten, als den übrigen Patientengruppen. Dies widerspricht der Annahme, individuelle Gesundheitsleistungen würden in der ambulanten Versorgung besonders Risikogruppen und Kranken zur Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung angeboten.

Wenn es sich beim Angebot von IGeL-Leistungen in vielen Fällen um einen "Verkauf" von Leistungen an gesunde Versicherte handelt, ist eine gesicherte Qualitätskontrolle zum Wohl der Versicherten besonders wichtig. Eine wissenschaftliche Bewertung von IGeL-Leistungen und eine kompetente Beratung der gesetzlichen Krankenkassen, auch zu Leistungen die nicht zum gesetzlichen Leistungskatalog gehören, erscheint angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung der Selbstzahlerleistungen dringend notwendig.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2: Verteilung der tatsächlich in Anspruch genommenen IGeL-Leistungen

    Verteilung der tatsächlich in Anspruch genommenen IGeL-Leistungen

    Mehrfachnennungen möglich
  • Abb. 3: Entwicklung des Angebots und der Nachfrage von IGeL-Leistungen

    Entwicklung des Angebots und der Nachfrage von IGeL-Leistungen

    für den Befragungszeitraum "Frühjahr 2005" liegen keine Daten vor