gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Hausarztmodelle im Spannungsfeld zwischen ordnungspolitischen Anspruch und Versorgungsrealität

Die Anzahl der Hausarztmodelle hat sich in Deutschland rasant entwickelt. Doch tragen sie tatsächlich zu einer Verbesserung der Versorgungssituation bei? In diesem Artikel wird untersucht, ob es Anzeichen dafür gibt, dass sich aus der Perspektive der Versicherten die Versorgung in deutschen Hausarztmodellen von der Regelversorgung unterscheidet.

Ziel des Hausarztmodells ist es, den Behandlungsablauf insbesondere von älteren und chronisch kranken Menschen mit hohem Versorgungsbedarf besser zu koordinieren. Gestärkt wird dabei die Rolle der Hausärzte: Sie sollen als Lotsen funktionieren, die den Patienten durch das komplexe Gesundheitssystem leiten. Doch inwiefern verbessern Hausarztmodelle die Lotsenfunktion der Hausärzte wirklich? Welchen Einfluss haben sie auf die Anzahl der Facharztkontakte, auf Behandlungsergebnisse und die Zufriedenheit der Patienten? Der Artikel "Hausarztmodelle im Spannungsfeld zwischen ordnungspolitischem Anspruch und Versorgungsrealität" geht diesen und weiteren zentralen Fragen nach. Grundlage bilden sieben Befragungswellen des Gesundheitsmonitors im Zeitraum von 2004 bis 2007.

Über alle Befragungswellen waren 14 % der Befragten in Hausarztmodellen eingeschrieben. Im Einklang mit der bisherigen Studienlage war der Anteil älterer und chronisch kranker Menschen in den Hausarztmodellen höher als in der Regelversorgung. Die Teilnehmer an Hausarztmodellen verfügten über eine schlechtere Schulbildung sowie ein niedrigeres Einkommen. Die Befragungsergebnisse zeigen, dass sich die Versicherten in Hausarztmodellen in der Regel erst eine Überweisung vom Hausarzt holen, bevor sie den Facharzt aufsuchen. Zudem gehen sie seltener ohne und häufiger mit Überweisung zum Facharzt. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Risiko-und Altersstruktur, wird die höhere Zahl der Facharztkonsultationen nachvollziehbar. Der Anstieg der Anzahl von Facharztbesuchen muss nicht die Hausarztmodelle als Ursache haben. Umgekehrt scheint eine Reduktion der Facharztbesuche durch das Hausarztmodell nicht erreicht zu werden. Zu beobachten ist auch, dass die Teilnehmer an Hausarztmodellen mit ihrem Hausarzt zufriedener waren als die Versicherten in der Regelversorgung. Dies liegt auch an der höheren Anzahl älterer Menschen, die sich erfahrungsgemäß zufriedener äußern als jüngere Menschen. Hinweise auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands durch die Teilnahme an Hausarztmodellen gibt es nicht. Im Gegenteil: Bei der Wahrnehmung der Veränderung des Gesundheitszustandes durch die letzte Behandlung des Hausarztes lag die Kurve der Teilnehmer an Hausarztmodellen im gesamten Beobachtungszeitraum unter den Befragten der Regelversorgung, was erneut auf die unterschiedliche Versicherungsstruktur zurückzuführen ist.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die strukturelle Voraussetzung für eine starke Lotsenfunktion des Hausarztes gegeben ist. Zwar war zu vermuten, dass die Versicherten im Hausarztmodell vor einem Facharztbesuch häufiger eine Überweisung einholen, da sie sich bei einer Modellteilnahme zu einem solchen Verhalten verpflichten, jedoch war dieses Verhalten aufgrund der negativen Konsequenzen anfallender Praxisgebühr nicht selbstverständlich. Fraglich bleibt jedoch, inwieweit die Hausärzte diese Rolle des Systemlotsen auch ausfüllen können. Denn Internationale Studien weisen darauf hin, dass in Ländern ohne lange Tradition einer speziellen allgemeinmedizinischen Ausbildung die Hausärzte oftmals nicht die Fähigkeiten für die Rolle eines Koordinators mitbringen und auch in Deutschland sieht ein Teil der Ärzteschaft noch Verbesserungspotenzial bei der Vorbereitung auf ihre komplexe Lotsenaufgabe.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2: Inanspruchnahme von Fachärzten

    Inanspruchnahme von Fachärzten (Mittelwerte 2004 bis 2007)

    Anzahl der Kontakte
    p<=0,001
  • Abb. 3: Zufriedenheit mit dem Hausarzt

    Zufriedenheit mit dem Hausarzt

    n = 8.854; p <= 0,001
  • Abb. 4: Verbesserung des Gesundheitszustandes

    Verbesserung des Gesundheitszustandes

    n = 8.784; p <= 0,001