gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gutes Beitrags-Leistungs-Verhältnis oder Sicherheit – was wollen die Bürger von ihrer Krankenkasse?

Die Öffnung der Krankenkassen 1996 brachte auch einen Funktionswandel mit sich. Der Wettbewerb um die Versicherten führte auch zu einem neuen Service-Verständnis. Es wird untersucht, welche Erfahrungen und Erwartungen die Versicherten im Bereich der Krankenkassen haben.

20 Prozent der Mitglieder von Orts- und Innungskrankenkassen nutzen ihre Krankenkasse als Informationsquelle zu Gesundheitsthemen, bei den privat Versicherten sind dies gerade mal 8 Prozent. Dennoch sehen insbesondere die privat Versicherten einen Vorteil darin bei ihrer Versicherung versichert zu sein. Die Relevanz des Beitragssatzes ist dabei überraschend gering. Nur 29 Prozent der Befragten können den aktuellen Beitragssatz halbwegs korrekt nennen: Je höher der Bildungsstand oder das Haushaltseinkommen, desto besser wissen die Befragten in diesem Bereich bescheid. Die Befürchtungen über die zukünftige Entwicklung hinsichtlich Leistungsumfang und Kosten der Versorgung sind groß. Dennoch ist die Bereitschaft, die Krankenkasse zu wechseln eher gering. Auch die Erfahrung mit Leistungsverweigerungen hat dabei nur einen geringen Effekt. Missverständnisse über die tatsächliche Funktionsweise der Krankenkassen und den dort eingezahlten Beiträge könnten eine Rolle spielen. Als zukünftige Funktionen erhoffen sich die Versicherten von ihren Kassen, eine größere Rolle in der Qualitäts­sicherung, aber auch in der Information über die Qualität von Ärzten und Krankenhäusern.

Der Wandel der Krankenkassen zu konkurrierenden Dienstleistungsunter­nehmen geht an den Interessen der Mehrheit der Krankenversicherten vorbei. Nur jüngere sind überhaupt an einem möglichst geringen Beitragssatz interessiert. Ältere setzen auf Kassentreue, um ihre zukünftige Versorgung zu sichern. Das Wissen um die tatsächliche Funktionsweise der Krankenkasse scheint gering und zu irrationalem Handeln der Versicherten zu führen. Der homo oeconomicus ist in diesem Feld noch nicht angekommen. Gesundheitspolitik, die rationales Verhalten in einem wettbewerblichen Rahmen erwartet, geht an den Menschen mit ihren Befürchtungen und Ängsten sowie der fehlenden Motivation, sich mit diesem Komplex auseinander zu setzen, vorbei.