gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gestaltungsspielräume und Grenzen gesundheitspolitischer Entscheidungen in Deutschland

Gesundheitspolitik muss zwischen dem Interesse der Ver­sicherten an einer kostengünstigen Krankenversicherung und den Interessen der Leistungsan­bieter an einem angemessenen Einkommen ausgleichen. Reformen im Gesundheitswesen sind daher immer auch Verteilungskämpfe. Es wird untersucht, welche Interessenlage in den Dimen­sionen Verteilungsgerechtigkeit, Finanzierung und Umfang des Leistungsangebots auf Seiten der Versicherten herrscht.

Eine Dreiviertel-Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zur solidarischen Umverteilung der Gelder in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Auch und gerade die Nettozahler des Systems befürworten die Unterstützung von Kranken, Armen, Familien und Älteren. Der Bereich der Familienmitversicherung wird allerdings nur von rund der Hälfte der Befragten unterstützt. Die Begrenzung des Leistungskatalogs auf eine Grundsicherung wird allerdings nur von den Besserverdienenden befürwortet. 55 Prozent der Befragten erwarten für die Zukunft eine Verringerung des Leistungsumfangs der GKV. Über 90 Prozent rechnen mit steigenden Beiträgen. Fast 90 Prozent der Befragten wollen bei ihrer Krankenkasse verbleiben. Lediglich diejenigen, denen schon einmal eine Leistung nicht bewilligt wurde, sind wechsel­bereiter. 72 Prozent der Versicherten bemängeln die heterogene Qualität der ärztlichen Versorgung. 52 Prozent wünschen sich eine Verbesserung der Qualität der Versorgung. Die Beschränkung der ambulanten Versorgung auf ein Hausarztmodell wird bei gleichzeitiger Verringerung der Krankenkassenbeiträge von 80 Prozent der Befragten begrüßt. Gleichzeit jedoch lehnen 83 Prozent die Einschränkung der freien Arztwahl durch die Krankenkassen ab.

Die Präferenzen der Versicherten müssen in der Gesundheitspolitik ernster genommen werden. Dies entspricht zum einen dem Demokratieverständnis, ist aber auch mit Blick auf die Umsetzung von Gesundheitsreformen unerlässlich. Instrumentarien der Eigenverantwortung sollten zur Steuerung von Versorgungabläufen genutzt werden, nicht aber zur Finanzierung der Versorgung. Als Anreize für Versicherte mit höheren Einkommen, in der GKV zu verbleiben, sind sie allemal zu diskutieren.