gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gerechtigkeit in der Finanzierung des Gesundheitswesens

Die Finanzierung des Gesundheitswesens steht unter dem Aspekt der Verteilungsgerechtigkeit auf dem Prüfstand. Der Artikel untersucht aus Sicht der Versicherten, wer in die gesetzliche Krankenversicherung einbezogen werden soll, wie der Beitrag bemessen und gestaltet werden soll und wie mit der bisherigen kostenfreien Mitversicherung von Familienangehörigen umzugehen ist.

Die Versicherten betrachten die Umverteilungsprinzipien differenziert: insbesondere der Familienlastenausgleich scheint keine allumfassende Unterstützung mehr zu genießen. Die kostenlose Mitversicherung von Kindern und erziehenden Elternteilen steht keineswegs zur Disposition, aber die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern, die keine Kinder erziehen, wird nur von 46 Prozent der Befragten als gerecht bewertet. Die Einbeziehung der Selbst­ständigen, Beamten und Gutverdiener in die GKV wird von der Mehrheit der Befragten als gerecht bewertet. Selbstständige und Gutverdiener stehen dieser Option positiv, Beamte und privat Versicherte eher ablehnend gegenüber. Die Einbeziehung aller Einkommensarten wird auch von den oberen Einkommensgruppen begrüßt. Eine Kopfpauschale in Höhe von 210 Euro mit staatlicher Unterstützung im Falle der Überforderung wird nur von 31 Prozent der Befragten als gerecht bewertet. Die Einbeziehung aller Bürger wird von Wählern aller Parteien mehrheitlich begrüßt. Die Einbeziehung aller Einkommensarten spaltet die Befragten in klassische Rechts-Links-Lager. Das Konzept der Kopfpauschale wird mehrheitlich von Wählern aller Parteien abgelehnt.

Die Befragten wurden nicht mit den Begriffen „Bürgerversicherung“ oder „Kopfpauschale“ konfrontiert, um präjudizierte Meinungen abzuholen. Es wurden vor allem die hinter den verschiedenen Konzepten liegenden Verteilungswirkungen hinsichtlich ihrer Gerechtigkeit erfasst. Bei der Diskussion um die Verteilungsgerechtigkeit bei der Finanzierung des Gesundheitswesens hätten Konzepte, die eine Einbeziehung aller Einkommensarten und aller Bevölkerungsgruppen mir einem Ausgleich außerhalb der Krankenversicherung verbinden, die größte Unterstützung in der Bevölkerung. Die Kopfpauschale scheint als Konzept mit dem Anspruch einer größeren Verteilungsgerechtigkeit über ein zielgenaues Steuer-Transfer-System nur schwer vermittelbar. Veränderungen auf der Finanzierungsseite lassen Reformen auf der Kostenseite nicht überflüssig werden und lenken von der viel dringenderen Diskussion um Effizienz- und Qualitätsproblemen ab.