gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Finanzierungsoptionen des Gesundheitswesens aus Bevölkerungssicht

Mitten in der Diskussion um die Umstellung der Finanzierung der Gesundheitsversorgung auf Kopfpauschalen oder eine Bürgerversicherung untersucht der Artikel die Präferenzen der Bürger bei der weiteren Gestaltung der Krankenversicherung: Wer soll zum Kreis der Pflichtversicherten gehören? Was ist die Bemessungsgrundlage für den Beitrag? Welchen Umfang soll der Leistungskatalog haben? Und wie geht man mit der kosten­losen Mitversicherung von Familienangehörigen um?

Insbesondere die Einbeziehung aller Bürger in die gesetzliche Krankenversicherung wird mehrheitlich als gerecht empfunden. Die Einbeziehung aller Einkommensarten oder eine Pauschale werden aber immerhin noch von rund 45 Prozent der Befragten als gerecht bewertet. Im Zeitvergleich zeigt sich, dass insbesondere die Zustimmung zu einer pauschalen Kopfprämie steigt, was aber auch damit zusammenhängt, dass in den einzelnen Befragungswellen die Höhe der Prämie mehrfach gesenkt wurde. Über 80 Prozent der Befragten befürworten die Solidar­prinzipien, ein größer werdender Teil befürwortet gleichzeitig die Beschränkung des Leistungs­katalogs auf das Notwendigste. Die Befragten zeigen sich durchaus bereit zur Übernahme von mehr Eigenverantwortung z.B. in Form einer privaten Zusatzversicherung. Die Wähler der großen Parteien stehen jeweils eher hinter dem Konzept der präferierten Partei. Lediglich bei den FDP-Wählern zeigt sich ein gespaltenes Verhältnis zu den politischen Zielen der Partei. Die Umverteilung hin zu den Familien durch die GKV ist das am wenigsten akzeptierte Solidarziel; hier findet insbesondere der Aspekt der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern, die keine Kinder betreuen, auf weniger Zustimmung.

Die Bevölkerung findet sich eher mit Gestaltungsoptionen zurecht, die in Konzepten der Bürgerversicherung auftauchen. Die solidarische Umverteilung von Geldern steht für die Mehrheit der Bevölkerung nicht zur Disposition. Es sind eher anscheinend ungerechte "Privilegien" für verschiedene Gruppen, die sich nicht gesetzlich versichern müssen, die zur Diskussion gestellt werden müssen. Sorgen um die zukünftige Leistungsfähigkeit der gesetz­lichen Krankenversicherung sind die Grundlage für solche Präferenzen in der Bevölkerung. Die Diskussion erscheint aber von dem zentralen Problem der gesetzlichen Krankenversicherung abzulenken: wie verteilt man die vorhandenen Ressourcen effizient und effektiv?