gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Erwartungen der GKV-Versicherten an die Zukunft des Gesundheitswesens 2001 bis 2008: Trends, soziale und politische Einflussfaktoren

Dieser Beitrag untersucht, ob und in welcher Art sich die Erwartungen der GKV-Versicherten an die Gesundheitspolitik und die Krankenversorgung von 2001 bis 2008 verändert haben und ob die politischen Veränderungsimpulse und Steuerungsabsichten bei den Versicherten "angekommen" sind. Außerdem wird untersucht, welche Einflüsse auf die Handlungsorientierungen und Urteile der Versicherten einwirken?

GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), Einrichtung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (WSG), der 2009 startende Gesundheitsfond... Fast ein Jahrzehnt Gesundheitsreformen liegt hinter uns - Reformen, die für die finanzielle, organisatorische und Leistungszukunft der gesetzlichen Krankenversicherung einschneidender waren als die meisten der weit über 40 Reformen seit 1977. Welche Auswirkungen dies auf die Erwartungshaltung der Bevölkerung hat, untersucht der Artikel "Erwartungen der GKV-Versicherten an die Zukunft des Gesundheitswesens 2001 bis 2008: Trends, soziale und politische Einflussfaktoren". Als Basis dienen Daten aus 14 Erhebungswellen des Gesundheitsmonitors von 2001 bis 2008.

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass es offenbar keiner der seit 2001 realisierten und kommunizierten Reformen gelungen ist, die verbreitete negative und pessimistische Tendenz bei wichtigen Erwartungen an die gegenwärtige medizinische oder gesundheitliche Versorgung oder das Zufriedenheitsniveau sichtbar oder nachhaltig zu verändern. Die überwiegende Mehrheit der Versicherten artikuliert kontinuierlich die Meinung, es seien entscheidende Maßnahmen im Gesundheitssystem nötig. Die Zustimmung zum Status quo fällt im Zeitraum 2001 bis 2008 um sechs Prozent während die Gruppe der Befürworter einer Grundsicherung mit zusätzlichen privaten Elementen zunimmt. Die zunehmende pessimistische Grundtendenz zeigt sich vor allem durch skeptische Einschätzungen bezüglich einer Zunahme der Wartezeit für medizinische Leistungen, medizinischen Behandlungsfehlern und den Schutz der persönlichen Daten. Einfluss auf das Wertsystem der Versicherten nimmt sie aber nicht: Im gesamten Beobachtungszeitraum steht mehr als die Hälfte der Befragten hinter den vier Solidarprinzipien - Gesunde unterstützen Kranke, Junge unterstützen Ältere, Alleinstehende unterstützen Familien, Gutverdienende unterstützen Niedrigverdiener -, die die Kernbedingung für die Legitimation und Stabilität des GKV-Systems darstellen. Überraschend ist der Befund, dass kritische Bewertungen der GKV und seiner Finanzierung häufiger von Versicherten aus unteren Sozialschichten kommen. Dabei zeigt sich, dass kritische Bemerkungen von Ärzten über die Gesundheitspolitik und Hinweise von Ärzten über die steigenden Kosten der Behandlung durchgängig eine signifikante Rolle spielen für eher skeptische Zukunftseinschätzungen für das Gesundheitssystem.

Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Politiker scheinen die Zeit, die ein Gesetz braucht, um bei den Versicherten als Information und erfahrbare Wirkung anzukommen, zu unterschätzen. Nach Ansicht der Autoren nehmen sie sich durch das Prinzip "Nach-der-Reform-ist-vor-der-Reform" selbst den "Wind aus den Segeln" und sorgen dafür, dass die Befürchtungen steigen, während die Erwartungen der Versicherten sinken.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1: Gesamtbeurteilung der Reformbedürftigkeit des deutschen Gesundheitswesens (2001 bis 2008)

    Gesamtbeurteilung der Reformbedürftigkeit des deutschen Gesundheitswesens (2001 bis 2008)

  • Abb. 2: Befürchtungen für die Zukunft ausgewählter Versorgungsmerkmale (2001 bis 2008)

    Befürchtungen für die Zukunft ausgewählter Versorgungsmerkmale (2001 bis 2008)

  • Abb. 4: Gerechtigkeitsbewertung der Solidarprinzipien (2001 bis 2008)

    Gerechtigkeitsbewertung der Solidarprinzipien (2001 bis 2008)