gesundheitsmonitor
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Einzelpraxis oder Gruppenpraxis - ein anderer Typ Arzt? Untersuchung von Strukturen und Einstellungen in unterschiedlichen Praxistypen

In Deutschland dominierte lange Zeit die klassische Einzelpraxis als Praxisform der ambulanten Versorgung. Heute praktizieren immer mehr Ärzte in Gemeinschaft- oder Gruppenpraxen. Welche Unterschiede verschiedener Praxistypen nehmen die Versicherten wahr?

In Deutschland sind im europäischen Vergleich immer noch viele Ärzte in Einzelpraxen tätig. Dennoch gibt es auch hierzulande einen Trend zur Kooperation mehrerer Ärzte unter einem Dach. Wie unterscheiden sich Ärzte, die in der klassischen Einzelpraxis praktizieren, von Ärzten, die sich für eine kooperative Form ärztlicher Berufsausübung entscheiden?

Der Beitrag "Einzelpraxis oder Gruppenpraxis - Ein anderer Typ Arzt? Untersuchung von Strukturen und Einstellungen in unterschiedlichen Praxistypen" gibt Hinweise auf strukturelle und einstellungsbezogene Unterschiede von Ärzten in Gruppen- und Einzelpraxen. Anhand einer Ärztebefragung zwischen 2003 und 2005 werden jene Motive untersucht, die aus ärztlicher Sicht für die Gründung einer Gruppenpraxis eine Rolle spielen.

Zum Zeitpunkt der Gesundheitsmonitor-Ärztebefragung sind 70 Prozent der Ärzte in Einzelpraxen tätig und 30 Prozent in Gruppenpraxen. Die ärztliche Fachrichtung spielt bei der Niederlassung durchaus eine Rolle: Internisten, Kinderärzte und Radiologen lassen sich überdurchschnittlich häufig in Gruppenpraxen nieder. Jüngere Ärzte stehen heute bei einer Praxisgründung unter deutlich höherem Kostendruck und sind daher im Vergleich zu älteren eher bereit Kooperationen einzugehen. Ein Geschlechterunterschied und damit einen Zusammenhang zwischen Geschlecht und Praxisform ließ sich nicht feststellen.

Eine deutliche Mehrheit der Ärzteschaft erwartete für die kommenden fünf Jahre nach der Befragung eine Einschränkung des medizinischen Leistungsumfangs. Ärzte, die in Gruppenpraxen praktizieren, denken hier tendenziell optimistischer und gehen häufiger von einer Zunahme der von den Krankenkassen bezahlten Leistungen aus. Ähnliche Einstellungsunterschiede zeigen sich bei der Bewertung der zukünftigen Qualitätsentwicklung. Während lediglich fünf Prozent der Befragten die in Einzelpraxen arbeiten eine Qualitätsverbesserung erwarten, ist der Anteil der "Optimisten" in Gruppenpraxen mehr als doppelt so hoch.

Ärzte in Gruppenpraxen sind jünger, blicken zuversichtlicher in die Zukunft des Medizinberufes und des Leistungsumfanges und nehmen zu einem höheren Anteil Managementtechniken moderner Unternehmensführung vor. Die Einbeziehung von Patienteninteressen in die Abläufe der Praxis anhand von Patientenbefragungen und Praxiszertifizierungen ist in der Gruppenpraxis deutlich stärker ausgeprägt/wird deutliche stärker praktiziert. Bei der besonderen Zuwendung des Arztes zum Patienten, wie sie sich etwa in Hausbesuchen ausdrückt, ergibt sich hingegen für die Einzelpraxis ein positiveres Bild. Völlig unterschiedliche Arzttypen je nach Praxisform ließen sich anhand der Daten jedoch nicht feststellen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2: Die Verteilung der Ärzte in Einzel- und Gruppenpraxen, Gesundheitsmonitor Ärztebefragung 2003 bis 2005

    Die Verteilung der Ärzte in Einzel- und Gruppenpraxen, Gesundheitsmonitor Ärztebefragung 2003 bis 2005

  • Abb. 3: Hausärztlich- und fachärztlich tätige Mediziner in Einzel- bzw. in Gruppenpraxen

    Hausärztlich- und fachärztlich tätige Mediziner in Einzel- beziehungsweise in Gruppenpraxen.

    Angaben in Prozent
    p: 0,068
  • Abb. 5: Ärzte in Einzel- oder Gruppenpraxen nach Niederlassungsjahr

    Ärzte in Einzel- oder Gruppenpraxis nach Niederlassungsjahr

    Angaben in Prozent
    p=0,037
  • Abb. 9: Haben Sie eine Patientenbefragung in den letzten zwölf Monaten durchgeführt? (Ärztebefragung November/Dezember 2004)

    Haben Sie eine Patientenbefragung in den letzten 12 Monaten durchgeführt (Ärztebefragung November / Dezember 2004)

    Angaben in Prozent
    *p=0,159; **p=0,131; ***p=0,297