gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Einstellungsunterschiede zum Gesundheitssystem und zu seiner Reform zwischen Selbsthilfegruppen-Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern

Selbsthilfegruppen sind ein wichtiger Baustein der Gesundheitsversorgung. Neben der persönlichen Hilfestellung für Betroffene fungieren sie auch als Interessenvertretung für Patienten und Partner des Gesundheitswesens. Unterscheiden sich Selbsthilfegruppen-Teilnehmer von Nicht-Teilnehmern in ihren Einstellungen zum Gesundheitssystem?

Selbsthilfegruppen leisten als psychosoziale Unterstützung außerhalb der medizinischen Versorgung einen wichtigen Beitrag zur Krankheitsbewältigung von Patienten. Aber auch als kompetente und kooperativ-kritische Partner des Gesundheitswesens werden Selbsthilfezusammenschlüsse geschätzt.

Der Beitrag "Einstellungsunterschiede zum Gesundheitssystem und zu seiner Reform zwischen Selbsthilfegruppen-Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern" untersucht die Einstellungen, Meinungen und Wertvorstellungen von Selbsthilfe-Teilnehmern hinsichtlich des Gesundheitswesens. Sind Selbsthilfe-Teilnehmer tatsächlich besser über das Versorgungssystem und Gesundheitsreformen informiert und unterscheiden sie sich in diesen Aspekten von Nicht-Teilnehmern?

Teilnehmer von Selbsthilfegruppen und Nichtteilnehmer stehen dem deutschen Gesundheitssystem ähnlich kritisch gegenüber. Beinahe die Hälfte der Befragten beider Gruppen ist mit der Gesundheitsversorgung nur "teils, teils" zufrieden. Die Kritik an der medizinischen Behandlung ist bei Teilnehmern von Selbsthilfeangeboten darüber hinaus stärker ausgeprägt. Entsprechend suchen sie häufiger Hilfe außerhalb der Schulmedizin und stehen der alternativen Medizin positiv aber auch kritisch gegenüber. Teilnehmer von Selbsthilfegruppen zeichnen sich insgesamt sowohl gegenüber der Schul- wie der Komplementärmedizin durch differenzierte Positionen aus. Dabei kommt ihnen zugute, dass sie sehr gut über Gesundheitsthemen informiert sind und sich verstärkt für Informationsangebote zur Qualität von Ärzten und Krankenhäusern interessieren. Auch das Informationsverhalten bezüglich Gesundheitsreformen und Reformprogrammen, wie zum Beispiel Desease-Managment-Programme, ist stärker ausgeprägt als bei Nicht-Teilnehmern.

Teilnehmer von Selbsthilfegruppen sind nicht weniger zufrieden mit dem Gesundheitswesen, haben aber mehr Sorgen und Befürchtungen, was die Zukunft betrifft. Sie äußern sich durchgängig besorgter hinsichtlich der Wartezeiten, finanziellen Selbstbeteiligung und der Versorgungssicherheit im Alter. Die Bereitschaft und die durch die hohe Gesundheitskompetenz begünstigte Fähigkeit von Selbsthilfe-Teilnehmern zu einer Reform der Versorgungsstrukturen beizutragen, ist dementsprechend groß. Dabei fühlen sie sich dem Solidarprinzip besonders verpflichtet, denn die Zustimmung zur solidarischen Umverteilung zugunsten und zum Schutz der "sozial Schwachen" ist bei ihnen außerordentlich stark ausgeprägt. Die kostenlose Mitversicherung von arbeitslosen Ehepartnern, die keine Kinder betreuen, lehnen sie jedoch ab.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1: Befürchtungen bezüglich der medizinischen Versorgung

    Befürchtungen an die medizinische Versorgung

  • Abb. 2: Einstellungen zu alternativen Heilmethoden ("stimme voll/eher zu")

    Einstellungen zu alternativen Heilmethoden („stimme voll / eher zu“)

    Signifikanz: * p<0,05, **p<0,01
  • Abb. 5: Aussagen zur Versorgungsgerechtigkeit ("vollkommen/überwiegend gerecht")

    Aussagen zur Versorgungsgerechtigkeit („vollkommen / überwiegend gerecht“)

    *p=0,07