gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Einstellungen zur Organtransplantation und Spendebereitschaft

In Deutschland ist das Aufkommen an Spenderorganen nach wie vor nicht ausreichend, um der Nachfrage gerecht zu werden. Im Gegenteil, die Zahl der Transplantationen ist sogar deutlich zurückgegangen. Die Studie untersucht, welche Faktoren die Spendebereitschaft der Bürger maßgeblich beeinflussen.

Im Jahr 2012 war Organspende ein häufiger Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Insbesondere Unregelmäßigkeiten bei der Organvergabe bekamen ein hohes Maß an Aufmerksamkeit in den Medien. Bereits im Gesundheitsmonitor 2011 konnte das Vertrauen in geregelte Abläufe bei der Organentnahme als ein entscheidender Einflussfaktor auf die Spendebereitschaft identifiziert werden. Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass die jüngsten Ereignisse sich auf das Vertrauen der Bevölkerung und somit auch auf ihre Spendebereitschaft ausgewirkt haben.

Im Rahmen der Studie „Einstellungen zur Organtransplantation und Spendebereitschaft“ wird daher vor allem das Vertrauen der Bürger in die Abläufe der Transplantationsmedizin analysiert. Wie groß ist dabei der Einfluss der Skandale auf die generelle Bereitschaft zur Organspende und wie gut fühlen sich die Bürger über die Vorgehensweise bei einer Transplantation informiert? Auch die Bedeutung des Angehörigengespräches für das Aufkommen postmortaler Spenderorgane spiegelt sich in einigen Fragen der Studie wider. So werden die Befragten mit der hypothetischen Situation konfrontiert, für einen verstorbenen Angehörigen über die Organentnahme entscheiden zu müssen. Für wen könnten sie sich vorstellen eine solche Entscheidung zu treffen und inwieweit ist der Wille dieser Person bekannt?

Vergleicht man die aktuellen Ergebnisse mit denen der Gesundheitsmonitorbefragung von 2011 so zeigt sich ein deutlicher Rückgang der Spendebereitschaft bei den Personen, die keinen Organspendeausweis besitzen. Während 2011 noch fast zwei Drittel der Befragten auch ohne eine schriftliche Willenserklärung einer Organspende zugestimmt hätten, waren es 2013 weniger als die Hälfte. Dabei gaben 39 Prozent der Personen ohne einen Ausweis an, dass ihre Einstellung sich aufgrund der Transplantationsskandale geändert habe. Auf die Besitzer eines Organspendeausweises hatten diese Ereignisse kaum einen Einfluss. In Bezug auf das Angehörigengespräch zeigt sich, dass die Befragten dem Willen des Verstorbenen im Allgemeinen folgen, soweit dieser dokumentiert oder bekannt ist. Im Fall eines unbekannten Willens, ist die eigene Bereitschaft ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme bei dem Verstorbenen. Der Großteil der Befragten, die selbst einer Organspende widersprechen würden, würde diese auch bei ihren Angehörigen ablehnen.

Insgesamt lässt sich anhand der Auswertungen erkennen, dass das Vertrauen in die Abläufe der Transplantationsmedizin deutlich gesunken ist. Vertrauensbildende Maßnahmen sollten vor allem auf diejenigen ausgerichtet werden, die bislang keinen Organspendeausweis besitzen und die über die Organentnahme verstorbener Angehöriger entscheiden. Neben einer stärkeren Transparenz bezüglich der Abläufe und Einhaltung der Regeln bei der Transplantationsmedizin, wird die Einführung eines Registers zur Erfassung der Spendebereitschaft empfohlen. Dadurch, dass die Daten erst nach dem Versterben eingesehen werden können, soll insbesondere das Vertrauen in die Organentnahme und die Priorität der Lebensrettung eines potenziellen Spenders gestärkt werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1 - Vertrauen in geltende Regelungen zur Organentnahme und -vergabe

    Vertrauen in die Organentnahme und Organvergabe

    n = 1.775
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 4 - Spendebereitschaft von Personen ohne Spendeausweis

    Spendebereitschaft von Personen ohne Spendeausweis

    n = 1.320
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5 - Entscheidung zur Organentnahme bei Angehörige

    Zustimmung zur Entnahme bei nächstem Angehörigen

    n = 1.265
    Angaben in Prozent der Befragten