gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Eigenverantwortung im Gesundheitswesen

Der schillernde Begriff Eigenverantwortung wird immer stärker als wichtiges Element in der gesetzlichen Krankenversicherung diskutiert. Dabei stehen die Solidarität, die Legitimation von Entscheidungen in der Gesundheitspolitik, die finanzielle Eigen­beteiligung, Prävention und Kostentransparenz, Qualitätssicherung und Versorgungsformen zur Debatte. Es wird untersucht, welche Reformoptionen, die unter diesem Schlagwort versammelt sind, von Versicherten und Ärzten präferiert werden.

Mehrheitlich wird weiterhin eine solidarische Absicherung aller Krankheitsrisiken gewünscht. Je höher das Haushaltseinkommen der Befragten ist, desto offener sind sie gegenüber Versicherungsformen, die auch eine private Zusatzversicherung von Komfort­merkmalen einschließt. Die Bevölkerung möchte an den Entscheidungen über den solidarisch finanzierten Leistungskatalog beteiligt werden, direkt oder indirekt über die Patientenverbände. Chronisch Kranke wünschen sich dabei auch eine Beteiligung der Ärzte und Krankenkassen. Je höher das Haushaltseinkommen, desto höher die Zustimmung zu Zusatzversicherungen, höheren Zuzahlungen bei Medikamenten und speziellen Therapien oder einem Selbstbehalt von 500 Euro im Jahr. Kostentransparenz durch Patientenquittungen oder die verpflichtende Teilnahme an Gesundheitskursen wird mehrheitlich von den Befragten unterstützt. Auch im Bereich der Qualitätssicherung und Qualitätsinformation werden mögliche Reformen von den Befragten als positiv bewertet. Der Hausarzt als Gatekeeper wird von drei von vier Befragten gewünscht; dabei wird aber nicht unterstützt, dass die Krankenkasse den Hausarzt für die Versicherten auswählt. Die Bereitschaft der Ärzte zu Einzelverträgen mit den Krankenkassen ist gering: Nur 31 Prozent der befragten Ärzte könnten sich diese Option vorstellen.

Um den Einzelnen in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich zu handeln, muss der Staat die nötigen Voraussetzungen schaffen: Mitsprache bei der Entscheidung über den Leistungsumfang der GKV gehört dazu, ebenso wie umfassende Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Transparenz. Das Thema Prävention wird als Stärkung der Eigenverantwortung auf Seiten der Politik unterschätzt. Reformoptionen, die einen gesunden Lebensstil in den Mittelpunkt stellen, treffen bei den Versicherten den Kern; hier liegt ein Hebelpunkt für die Akzeptanz von mehr Eigenverantwortung.