gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung: Akzeptanz bei verschiedenen Einkommensgruppen

Der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Gesundheit ist mittlerweile unbestritten. Die Frage bleibt, welche Faktoren dazu führen, dass Arme häufiger von Krankheiten betroffen sind. Erforderlich sind die Verringerung der sozialen Ungleichheit, aber auch eine Verbesserung des individuellen Gesundheitsverhaltens und Lebensstils. Der Artikel untersucht statusspezifische Unterschiede in der Inanspruchnahme von medizinischer Versorgung und den Einfluss der jüngeren gesundheitspolitischen Reformen auf die gesundheitliche Ungleichheit.

Die Befragten zeigen sich mehrheitlich unzufrieden mit den verschiedenen finanziellen Belastungen, die durch die Gesundheitsversorgung entstehen. Insbesondere die Zuzahlungen sind für die unteren Einkommensgruppen eine erhebliche Belastung. Die Versicherten unterstützen die Verteilungsprinzipien der gesetzlichen Krankenversicherung. Dennoch sind insbesondere Versicherten der unteren Einkommensgruppen mit der Gesundheits­versorgung unzufrieden und äußern Sorgen über die Versorgung im Alter und die Leistungs­fähigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung. Befragte aus den unteren Einkommensgruppen sind vergleichsweise schlecht über aktuelle Angebote der Krankenkassen wie DMPs oder Bonusregelungen informiert. Angebote wir Zusatzversicherungen oder Selbstbehalte oder eine Beschränkung des Leistungskatalogs auf absolut notwendige Leistungen werden eher von den oberen Einkommensgruppen akzeptiert. Vor allem die solidarische Unterstützung der Familien durch die gesetzliche Krankenversicherung wird von den Befragten unterstützt.

Die subjektiv empfundene Belastung der unteren sozialen Schichten ist groß. Das Solidarprinzip wird nicht mehr von allen uneingeschränkt befürwortet. Vorteile und Ziele des Solidaritätsprinzips müssen wieder in den Vordergrund rücken. Es wurde deutlich, dass aber gerade die unteren sozialen Schichten besonders schlecht über gesundheitspolitische Reformmodelle informiert sind und daher auch seltener auf Akzeptanz stoßen. Gesetzliche Krankenversicherung kann einen Beitrag zur Verringerung sozialer Ungleichheit leisten. Dazu müssten aber Gesundheitsziele für sozial und gesundheitlich benachteiligte Gruppen definiert werden, Interventionen entwickelt und diese Maßnahmen möglichst auch evaluiert werden.