gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Der Hausarzt als Primärversorger und Lotse im Versorgungssystem – Stand der Praxis und Entwicklungschancen

Vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen soll in Deutschland die Rolle des Hausarztes weiterentwickelt werden. Der Artikel untersucht, welche Bedeutung der Hausarzt in der derzeitigen ambulanten Versorgung inne hat und wie die Versicherten mögliche Weiterentwicklungen bewerten.

Rund 90 Prozent der Befragten haben einen Hausarzt. Dennoch gehen 60 Prozent der Patienten ohne Überweisung zum Facharzt. Dies sind vor allem jüngere Befragte und Befragte aus den höheren sozialen Schichten. Die Dauer der Bindung an den eigenen Hausarzt spielt dabei eine geringfügigere Rolle. Es sind vor allem Hautärzte, HNO-Ärzte und Orthopäden, die von weit mehr als der Hälfte aller Fälle direkt aufgesucht werden. Auch Urologen und Chirurgen werden on immerhin 40 bis 50 Prozent der Patienten direkt in Anspruch genommen. Ein Hausarzt wird dann aufgesucht, wenn eine Facharztwahl aufgrund einer diffusen Symptomatik zu schwierig erscheint. Spielräume für eine Primärversorgung durch einen Hausarzt sind da: 80 Prozent der Befragten kämen mit dem hausärztlichen Lotsen zurecht. Akzeptanzprobleme treten eher bei Personen auf, die häufiger ohne Überweisung den Facharzt aufsuchen. Die Ärzte sehen sich gut gerüstet, um die Aufgabe einer kontinuierlichen Versorgung von Patienten zu gewährleisten.

Schlussfolgerungen: Der Hausarzt ist zwar im Bewusstsein der Bevölkerung Primärversorger, die praktische Bedeutung ist aber begrenzt. Dem Facharzt wird scheinbar mehr Kompetenz zugeschrieben. Mit zunehmendem Alter und andauernder Bindung an einen Hausarzt nimmt dessen Bedeutung für die Patienten zu. Internationale Erfahrungen machen deutlich, dass es in Deutschland zu einer Einschreibepflicht, zu einer pauschalen Vergütung von Hausärzten und zur Einführung von Behandlungsleitlinien kommen muss, wenn das "Hausarztmodell" ein Erfolg werden soll. Die Akzeptanz der Versicherten kann dabei nur erreicht werden, wenn hausärztliche Versorgung nicht als Sparmaßnahme, sondern als Qualitätsverbesserung verstanden wird.