gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz: ein Schritt zur informierten Entscheidung?

Im April 2013 trat das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz in Kraft. Das Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister beinhaltet mit der Einführung der informierten Entscheidung eine politische Neuorientierung. Was ist neu - was bleibt?

Im Mittelpunkt der gesundheitspolitischen und ärztlichen Bemühungen stand lange Zeit die Erreichung möglichst hoher Beteiligungsraten der Früherkennungsuntersuchungen in der Bevölkerung. Dabei wurden mögliche Risiken vermeintlich harmloser Untersuchungen vernachlässigt. Risiken bestehen durch falsch-positive oder falsch-negative Testergebnisse und Überdiagnosen. Das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) hat es sich unter anderem zum Ziel gemacht, dass die organisierten Krebsfrüherkennungsangebote „von mehr Menschen – unter Beachtung ihrer Autonomie und ihrer Entscheidungsfreiheit – in Anspruch genommen werden.“ Das KFRG beruht auf Empfehlungen des Nationalen Krebsplans. Dieser wurde zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Früherkennung und der Versorgung krebskranker Menschen initiiert.

Der Beitrag "Das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz – ein Schritt zur informierten Entscheidung?" erörtert, welche Vorrausetzung mit dem KFRG für die Krebsfrüherkennungsangebote geschaffen werden. Die Autoren geben einen Überblick über das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz und zeigen die damit verbundenen Herausforderungen für eine informierte Entscheidung auf.

Mit dem KFRG erfolgt zukünftig eine Ausrichtung nach den Europäischen Leitlinien zur Qualitätssicherung von Krebsfrüherkennungsprogrammen. Damit wird das organisierte Screening, das bislang bevölkerungsweit nur für das Mammografie-Screening angeboten wird, um die Früherkennung von Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs ausgeweitet. Um eine informierte Entscheidung der Bürger zu ermöglichen, wird eine ausgewogene Information der Versicherten über bevölkerungsweit angebotene Krebsfrüherkennungsuntersuchungen gesetzlich verankert. Damit wird die informierte individuelle Entscheidung dem bevölkerungsmedizinischen Ziel der Steigerung der Inanspruchnahme übergeordnet. Die Bürger sollen über den Nutzen und die Risiken der Untersuchungen informiert, nicht jedoch überredet werden. Wie sich die informierte Entscheidung in Zukunft auf die Teilnahme an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen auswirkt, ist noch unklar.

Das KFRG ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur informierten Entscheidung. Die konkrete Umsetzung wirft jedoch noch etliche  Fragen auf. Diese betreffen etwa die zielgruppengerechte Ausgestaltung von Materialien für verschiedene Bevölkerungsgruppen und die Umsetzung angemessener Beratungsangebote, die die Bürger bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen sollen.