gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Black Box Gesundheitspolitik: Die (Un-)Bekanntheit wichtiger gesundheitspolitischer Entscheidungen in der Wählerschaft

Gesundheitspolitische Entscheidungen sind bedeutsam, beeinflussen sie doch die Regulierung und Kompetenzverteilung im System sowie die Finanzierung und den individuellen Zugang zu Gesundheitsleistungen. Viele Maßnahmen werden auf politischer Ebene zwischen den Parteien daher hoch kontrovers diskutiert. Doch welchen Stellenwert nimmt Gesundheitspolitik in der Bevölkerung ein? Wie gut kennen Wähler einflussreiche gesundheitspolitische Entscheidungen?

Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen überwiegend zufrieden ist mit ihrem Gesundheitssystem. Fragt man jedoch nach der Zufriedenheit mit und der Lösungskompetenz von gesundheitspolitischen Akteuren, fällt das Urteil negativer aus. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung vermissen demnach gute gesundheitspolitische Reformkonzepte bei den einzelnen Parteien. Es bleibt jedoch die Frage, wie gut die Bürger die Inhalte jüngster Gesundheitsreformen überhaupt kennen – haben viele Reformen doch nur einen indirekten Einfluss auf die eigene Situation.

Die Studie „Black Box Gesundheitspolitik: Die (Un-)Bekanntheit wichtiger gesundheitspolitischer Entscheidungen in der Wählerschaft“ geht dieser Frage nach und beleuchtet, wie gut die Bürger Gesetze und einzelne Maßnahmen kennen und ob sie Reformen den verantwortlichen Parteien richtig zuordnen können. Sie analysiert auch, wie Unterschiede zwischen der Bekanntheit verschiedener Reformen und dem Kenntnisstand verschiedener Bevölkerungsgruppen erklärt werden können.

Insgesamt bestätigt die Studie die These, dass das Wissen um gesundheitspolitische Maßnahmen vor allem von der direkten Betroffenheit abhängt. Einzelne Maßnahmen mit unmittelbaren Auswirkungen auf die eigene Versorgung sind bekannter als große Gesetze und Maßnahmen, die eher die Regulierung und Kompetenzverteilung auf Systemebene betreffen. Gefragt nach ausgewählten Gesetzen zeigen die Ergebnisse, dass kein Gesetz mehr als der Hälfte der Bevölkerung bekannt ist. Selbst das Patientenrechtegesetz – dem Namen nach von großer Bedeutung für alle Versicherten – kennen lediglich 47 Prozent. Die Kenntnis einzelner Maßnahmen ist etwas größer, besonders solcher Maßnahmen, mit denen Leistungen, Zuzahlungen oder die Finanzierung verändert werden. So wissen 95 Prozent der Befragten über die Abschaffung der Praxisgebühr Bescheid und 88 Prozent über die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Den Gesundheitsfonds mit seinen nur indirekten Auswirkungen für den Einzelnen kennt hingegen nur knapp die Hälfte der Wählerschaft.

Die Zuordnung einzelner Maßnahmen zu den verantwortlichen Parteien fällt den Befragten ebenfalls schwer. Bei allen abgefragten Reformen ist der Anteil der „weiß nicht“-Angaben sehr hoch. Selbst bei der Abschaffung der Praxisgebühr, die fast alle Befragten wahrgenommen haben, können 46 Prozent nicht die verantwortliche Partei benennen. Auch bei einem anderen wichtigen Thema der vergangenen Wahlkämpfe – der Einführung der Bürgerversicherung – konnten 52 Prozent der Bevölkerung keine Angabe machen, welche Partei ein solches Konzept befürwortet.

Im Hinblick auf Prädikatoren für die individuelle gesundheitspolitische Kompetenz zeigt sich, dass lediglich der Bildungsstand, das gesundheitspolitische Interesse und in geringem Ausmaß das Geschlecht mit den Kenntnissen korrelieren. Der Versichertenstatus, der Gesundheitszustand oder die Parteipräferenz spielen keine Rolle.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 2: Bekanntheit ausgewählter gesundheitspolitischer Maßnahmen zu Finanzierung und Versorgung

    Bekanntheit ausgewählter gesundheitspolitischer Maßnahmen zu Finanzierung und Versorgung

    Angaben in Prozent der Befragten, die aussagen, das Gesetz zumindest dem Namen nach zu kennen (Daten gewichtet), n = 1.728
  • Abbildung 3: Bekanntheit ausgewählter gesundheitspolitischer Maßnahmen zu Struktur und Governance

    Bekanntheit ausgewählter gesundheitspolitischer Maßnahmen zu Struktur und Governance

    Angaben in Prozent der Befragten, die aussagen, das Gesetz zumindest dem Namen nach zu kennen (Daten gewichtet), n = 1.728
  • Abbildung 4: Die Abschaffung der Praxisgebühr als Verdienst der "eigenen" Partei

    Die Abschaffung der Praxisgebühr als Verdienst der "eigenen" Partei

    Zuweisung parteipolitischer Verantwortung für die Abschaffung der Praxisgebühr (Mehrfachangaben möglich)
    in Prozent der jeweiligen Parteianhänger, n = 1.652