gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Auswirkungen der Gesundheitsreform auf den Arzneimittelverbrauch und die Arzneimittelausgaben der Versicherten

Zur Senkung stetig steigender Arzneimittelausgaben wurden im Rahmen der Gesundheitsreform die Zuzahlungen zu Arzneimitteln erhöht und rezeptfreie Medikamente aus der vertragsärztlichen Versorgung weitgehend ausgeschlossen. Welche Folgen hat dies für den Arzneimittelverbrauch und die Arzneimittelausgaben der Versicherten?

Nach Verabschiedung des GKV-Modernisierungsgesetzes im Jahr 2003 sanken die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung innerhalb eines Jahres um 2,4 Milliarden Euro. Damit wurde eines der wichtigsten Ziele der Gesetze zur Modernisierung der Krankenkassen umgesetzt. Der massive Rückgang der Arzneimittelausgaben ging jedoch zulasten der Patienten, die finanziell stärker belastet wurden als zuvor.

Der Bericht "Auswirkungen der Gesundheitsreform auf den Arzneimittelverbrauch und die Arzneimittelausgaben der Versicherten" untersucht die Folgen der Gesundheitsreform aus Sicht der Versicherten.

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Der Arzneimittelverbrauch in der Bevölkerung ist hoch und steigt mit zunehmendem Alter: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nahm im Jahr 2005 Arzneimittel zur Dauertherapie von Krankheiten ein. Patienten über 60 Jahre haben einen zwei- bis dreimal höheren Arzneimittelverbrauch als die Altersgruppe der bis Fünfzigjährigen. Die meisten Patienten und besonders Ältere betreiben zusätzlich zu der ärztlich verordneten Arzneimitteltherapie eine Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln oder Naturheilmitteln. Auch wenn ein Großteil der insgesamt eingenommenen Medikamente rezeptpflichtig ist und den Patienten vom Hausarzt verschrieben wird, übersteigen die Ausgaben zur Selbstmedikation die Zuzahlung zu rezeptpflichtigen Medikamenten bei Weitem. Der zusätzliche Verbrauch von Arzneimitteln liegt bei Männern bei 14 Prozent rezeptpflichtige Arzneimittel auf Privatrezept, 17 Prozent frei verkäufliche Arzneimittel aus Apotheken und neun Prozent nicht apothekenpflichtige Naturheilmittel aus Supermärkten und Drogerien. Frauen nehmen sogar noch häufiger zusätzliche Arzneimittel ein.

Trotz der einschneidenden Regelungen zur Senkung der Arzneimittelausgaben ist ein Großteil der Patienten mit den Arzneimittelverordnungen zufrieden. Dass ein Arzt ein nach Einschätzung des Patienten wichtiges Arzneimittel nicht verordnet, kommt äußerst selten vor. Eine Verweigerung von Arzneiverordnungen aus wirtschaftlichen Gründen betrifft nur wenige Einzelfälle. Der Versandhandel mit Medikamenten spielt zum Zeitpunkt der Umfrage trotz möglicher Preisvorteile nur eine untergeordnete Rolle. Dies liegt besonders daran, dass ältere Patienten diese Form des Arzneimittelbezugs ablehnen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1: Art und Häufigkeit der Arzneimitteleinnahme (länger als 4 Wochen) in den letzten zwölf Monaten

    Art und Häufigkeit der Arzneimitteleinnahme (länger als 4 Wochen) in den letzten 12 Monaten

    Prozent der Befragten; Mehrfachnennungen möglich
  • Abb. 7: Entwicklung der persönlichen Arzneimittelausgaben bei allen Befragten

    Entwicklung der persönlichen Arzneimittelausgaben bei allen Befragten

    Ausgaben in Euro in drei Monaten
  • Abb. 8: Persönliche Ausgaben für Arzneimittel nach Altersgruppen

    Persönliche Ausgaben für Arzneimittel nach Altersgruppen

    Ausgaben in Euro in drei Monaten
  • Abb. 11: Persönliche Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten

    Persönliche Ausgaben für die Behandlung von Krankheiten

    Ausgaben in Euro in drei Monaten