gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Inanspruchnahme von Angeboten zur Bewältigung chronischer Erkrankungen und dauerhafter gesundheitlicher Beeinträchtigungen

Ältere Menschen leiden besonders häufig an chronischen Krankheiten. Angebote zur Bewältigung chronischer Erkrankungen helfen Betroffenen mit den Krankheitsfolgen zu leben. Entsprechen die aktuellen Angebote den Bedürfnissen der Patienten oder gibt es Handlungsbedarf von Seiten der Gesundheitspolitik?

Für viele Betroffene stellt eine chronische Krankheit ein langfristiges Gesundheitsproblem dar. Sie müssen ihren Lebensschwerpunkt verändern und lernen mit den verbundenen Einschränkungen der Krankheitsfolgen zu leben. Besonders Frauen sind häufiger und aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung auch länger mit einer chronischen Krankheit konfrontiert. Unumstritten ist daher der Nutzen von strukturierten Behandlungsprogrammen, sogenannter Disease-Management-Programme (DMP), die chronisch Erkrankte dabei unterstützen, das Leben mit der Erkrankung zu meistern.

Der Beitrag  "Inanspruchnahme von Angeboten zur Bewältigung chronischer Erkrankungen und dauerhafter gesundheitlicher Beeinträchtigungen" analysiert, ob chronisch Kranke die angebotenen Dienste und Maßnahmen zur Bewältigung chronischer Erkrankungen in Anspruch nehmen. Welche Unterstützungsangebote werden von Patienten wahrgenommen und wie bewerten die Betroffenen die Angebote?

Die Auswertung der Umfrageergebnisse des Gesundheitsmonitors überraschten die Experten: Offenbar sind strukturierte Behandlungsprogramme für Chroniker bei den Befragten viel weniger bekannt als angenommen: Zwei Drittel aller Befragten gaben an Disease-Management-Programme (DMP) für chronisch Erkrankte nicht zu kennen. Auch unter den chronisch Kranken, die von einer DMP-relevanten Diagnose betroffen waren, hatten 45 Prozent offenbar noch nie von systematischen Behandlungsprogrammen für Chroniker gehört. Lediglich 12 Prozent der chronisch oder dauerhaft Erkrankten befanden sich nach eigener Angabe in einem DMP. Die Experten erklärten diese Nichtkenntnis teilweise mit der unterschiedlichen Namensgebung der Programme, die bei jeder Krankenkasse unter anderer Bezeichnung laufen. Dass einige chronisch Erkrankte an einem solchen Programm teilnehmen, ohne sich dessen bewusst zu sein, ist daher durchaus möglich. Abgesehen von der Unkenntnis oder Begriffsunklarheit systematischer Unterstützungsangebote zeigten die Befragten grundsätzlich recht unterschiedliche Vorstellungen von der Bedeutung der Begriffe "chronisch krank", "lang andauernd krank, behindert oder körperlich gebrechlich". Tatsächlich waren fast 30 Prozent der Befragten, die sich selbst nicht als chronisch erkrankt einschätzten, von einer chronischen Krankheit betroffen. Insgesamt viel die Bewertung der verschiedenen Angebote gesundheitsbezogener Beratungen und Schulungen durch die Nutzerinnen und Nutzer jedoch positiv aus. Allerdings hatten über ein Drittel der bekennenden chronisch Kranken noch niemals eine gesundheitsbezogene Beratung oder Schulung besucht. Basierend auf den Ergebnissen der Umfrage fordern die Experten eine bessere Aufklärung über spezifische Versorgungs-, Beratungs- und Schulungsangebote für Chroniker. Eine einheitlichere Begriffsgebung könnte den Patienten die Orientierung erleichtern und ihnen helfen, die für sie wichtigen Angebote wahrzunehmen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 4 - Inanspruchnahme von Beratungsangeboten

    Inanspruchnahme von Beratungsangeboten

    Mehrfachantworten möglich
    Angaben in Prozent der jeweiligen Untergruppe
  • Abb. 5 - Anlässe für das Aufsuchen einer Unterstützungsstell

    Anlässe für das Aufsuchen einer Unterstützungsstelle

    Mehrfachantworten möglich
    Angaben in Prozent der jeweiligen Untergruppe
  • Abb. 8 - Wichtigkeit von Maßnahmen

    Wichtigkeit von Maßnahmen zur Bewältigung chronischer Krankheiten

    *p kleiner-gleich 0,05; **p kleiner-gleich 0,01; ***p kleiner-gleich 0,001; zusammengefasste Klassen der Antwortkategorien
    »eher wichtig« bis »sehr wichtig«
    Angaben in Prozent der jeweiligen Untergruppe