gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Erfahrungen, Einstellungen und Umgang von Ärzten mit informierten Patienten

Nur jeder vierte Arzt in Deutschland unterstützt seine Patienten darin, sich vor dem Arztbesuch selbst zu informieren.

Ärzte fürchten um Autorität

Im Jahr 2015 informieren sich immer mehr Patienten über Gesundheitsthemen, bevor sie zum Arzt gehen. Zwar haben das auch 98 Prozent der Ärzte in Deutschland mitbekommen; befürworten tuen diese Entwicklung jedoch nur 27 Prozent der befragten Mediziner. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Gesundheitsmonitors. Die Umfrage zeichnet ein viel pessimistischeres Bild, das Ärzte 2015 vom informierten Patienten haben, als noch im Jahr 2003: Zum Beispiel geben nur noch 24 Prozent der Ärzte an, dass ihre Patienten sie leichter verstehen, wenn sie sich zuvor informiert haben (2003: 41 Prozent). Wie skeptisch Ärzte gegenüber informierten Patienten sind, zeigt eine weitere Zahl: Nur 47 Prozent der Mediziner finden, dass sie auf dem Gesundheitsinteresse ihrer Patienten aufbauen können (2003: 64 Prozent).

Vier aus fünf Ärzten kennen sich nicht mit verlässlichen Patienteninformationen im Internet aus
Lediglich sieben Prozent der befragten Ärzte geben an, dass sie sich mit Informations-angeboten für Patienten insgesamt sehr gut auskennen, obwohl besonders das Angebot im Internet enorm vielfältig geworden ist: Dort haben sich neben Wikipedia und Co. auch Portale etabliert, die ihren Besuchern evidenzbasierte Gesundheitsinformationen anbieten. Jedoch haben bis zu 80 Prozent der befragten Ärzte von diesen Websites nicht einmal gehört und nur sechs Prozent geben an, den dort bereitgestellten Informationen zu vertrauen. Zum Vergleich: Fast alle Befragten (96 Prozent) kennen Wikipedia und 61 Prozent von ihnen finden, dass das Onlinelexikon eine vertrauenswürdige Quelle bei Gesundheitsfragen ist.

Autoren der Studie fordern mehr Aufklärungsarbeit für Ärzte
Die umstrittene und im Vergleich zu 2003 schlechtere Meinung der Ärzte in Deutschland über selbstinformierte Patienten untermauert: Es braucht Aus-, Weiter- und Fortbildungsangebote für Fachkreise, die das Thema Patienteninformationen im Internet aufgreifen. Nur so kann das entsprechende Angebot verbreitet und verbessert und die Ärzte für das Thema sensibilisiert werden. Um den selbst informierten Patienten wird kein Arzt auf Dauer herum kommen; seit zehn Jahren möchte eine Mehrheit der Patienten ein Mitspracherecht im Behandlungszimmer. Die Autoren der Studie plädieren deshalb dafür, dass Ärzte und Patienten das Thema Gesundheitsinformationen künftig in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation stellen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1

    Informieren sich Patienten heute häufiger selbst zu medizinischen Fragen als früher

    Angaben in Prozent der Befragten; n = 804
  • Abbildung 3

    Einfluss des wachsenden Informationsangebots und Interesses an Gesundheitsthemen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis

    Angaben in Prozent der Befragten, n = 804
  • Abbildung 9

    Bekanntheit und eingeschätzte Vertrauenswürdigkeit von Internetseiten

    Angaben in Prozent der Befragten. Die Länge der Balken zeigt die Bekanntheit, die Farbunterschiede zeigen die eingeschätzte Vertrauenswürdigkeit der Internetseite.