gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Barrieren für einen Wechsel der Krankenkasse: Loyalität, Bequemlichkeit, Informationsdefizite?

Seit 1996 können Versicherte frei entscheiden, welcher gesetzlichen Krankenkasse sie beitreten möchten­. Dennoch ist ein Kassenwechsel bei deutschen Versicherten selten. Ist ein Großteil der Versicherten mit ihrer Krankenversicherung zufrieden oder wirken Wechselbarrieren gegen den Krankenkassenwechsel?

Zwischen 1997 und 2004 haben etwa 20 Prozent der GKV-Versicherten die Krankenkasse gewechselt. Jährlich wechselten in diesem Zeitraum etwa fünf Prozent der GKV-Versicherten die Krankenkasse. Statt sich mit möglichen Wechselgründen zu beschäftigen, hinterfragt der Gesundheitsmonitor die Gründe für die geringe Wechselbereitschaft in der Bevölkerung.

Der Beitrag "Barrieren für einen Wechsel der Krankenkasse: Loyalität, Bequemlichkeit, Informationsdefizite?" untersucht die Hintergrunde für die in großen Bevölkerungskreisen vorherrschende Kassentreue. Die Discrete-Choice-Analyse gibt Aufschluss darüber, welche Merkmale einer Krankenkasse den Versicherten besonders wichtig sind.

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Ein ganz wesentlicher Teil der Wechselbarrieren ist durch Informationsdefizite bei den Versicherten bestimmt. Besonders überraschend ist das hohe Ausmaß an Unkenntnis oder Irrtümern gegenüber den Modalitäten eines Kassenwechsels innerhalb der GKV. Viele Versicherte schrecken vor einem Kassenwechsel zurück, da sie fälschlicherweise mit Wechselsanktionen rechnen. Annahmen über ein Wechselrisiko und den Verlust "angesparter Beiträge" wirken eindeutig als Wechselbarriere. Lediglich eine Minderheit von 20 Prozent der Befragten wusste über die Rahmenbedingungen eines Kassenwechsels so gut Bescheid, dass sie frei von irrtümlich vorausgesetzten Nachteilen entscheiden konnte. Ähnlich verhält es sich mit der Scheu der Versicherten vor dem mit einem Kassenwechsel verbundenen Wechselaufwand. Diesen schätzen 50 Prozent der Befragten als "sehr anstrengend und lästig" ein. Den Informationsaufwand vor einem Kassenwechsel empfinden sogar 70 Prozent als mühsam und zeitaufwendig.

Jeder Vierte wechselte zum Zeitpunkt der Umfrage außerdem nicht die Kasse, weil er die Angebots- und Leistungspalette als wenig unterschiedlich einschätzte. Ein weiterer wesentlicher Grund für die mangelnde Wechselbereitschaft in der Bevölkerung ist die Annahme, dass sich die einzelnen Kassenangebote nur wenig voneinander unterscheiden. Die Versicherten gehen stattdessen davon aus, dass einzelne Positivaspekte im Angebot einer Krankenkasse durch Negativaspekte wieder aufgehoben werden.

Die Loyalität zur Kasse hat keinen signifikanten Einfluss auf die Wechselneigung der Versicherten. Nur zwanzig Prozent der Befragten gaben an, eine persönliche Beziehung zu einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter der Krankenkasse zu haben. Dennoch ist es auch die Zufriedenheit mit der aktuellen Krankenkasse, die die Versicherten davon abhalten ihre Mitgliedschaft in dieser Kasse zu überdenken oder Angebote zu vergleichen.