gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Auf der Suche nach gesundheitlicher Information und Beratung: Befunde zum Wandel der Patientenrolle

Das Arzt-Patienten-Verhältnis gerät immer mehr unter Druck: Die Ansprüche und das Wissen der Patienten nehmen zu. Die Patienten haben einen immer größeren Informations- und Beratungsbedarf. Der Artikel untersucht das Interesse an gesund­heits- und krankheitsbezogenen Informationen, Themen und Medien. Darüber hinaus wird beleuchtet, vor welchem Hintergrund Patienten nach Informationen suchen.

Das von den Befragten an gesundheitsbezogenen Informationen geäußerte Interesse ist groß. Frauen und Ältere sind interessierter als Männer und Jüngere. Bildung und Einkommen spielen dagegen kaum eine Rolle. Insbesondere der Gesundheitszustand erklärt das Interesse an Gesundheitsinformationen. Daher erklärt sich auch das vornehmliche Interesse an Informationen zu Erkrankungen und Behandlungen. Erlebte kommunikative Defizite beim Haus­arzt spielen kaum eine Rolle. Zeitungen und Zeitschriften werden als Quelle von Gesundheits­informationen noch vor dem sozialen Netzwerk und dem Internet genannt. Das Internet ist als Medium eher sozial differenzierend; Gesunde nutzen es häufiger als Kranke. Die in allen Medien genutzten Informationen werden als verständlich und hilfreich empfunden. Von falschen oder schädlichen Informationen berichten nur wenige Befragte. Wenn die Patienten den Verdacht haben, dass eine Diagnose oder Therapie nicht angemessen ist, würden sich 64 Prozent an den behandelnden Arzt wenden. Andere, neue Anbieter wie Krankenkassen mit Callcentern, Verbraucherzentralen oder ähnliches werden eher seltener als relevante Informations- und potenzielle Schlichtungseinrichtung wahrgenommen.

Akute Beschwerden sind das primäre Motiv für die Suche nach gesund­heitsbezogenen Informationen. Die Patienten geben sich dann nicht mehr passiv in die Hände eines Arztes, sondern sie suchen aktiv nach Informationen zu Diagnose und Therapie. Diese Suche verläuft außerhalb der bisherigen Versorgungsstrukturen. Die Qualität des Informations-angebots ist unklar und kann zur Krankheitsbewältigung aber auch zu Problemen in der Arzt-Patienten-Kommunikation führen. Insbesondere das Internet entzieht sich weitgehend möglicher Kontrollmechanismen. Hier liegen vielfältige gesundheitspolitische Aufgaben verborgen.